Donnerstag, 14. Juli 2011

Possession (1981)



POSSESSION oder "GÖTTLICHE INZUCHT"
Hätte Franz Kafka einen Film gedreht, wäre er weniger blutig als dieser. Fragmentarische Erzählweise und ungewisse Botschaften würden aber vielleicht dem Stil von Andrzej Zulawski entsprechen. In diesem Sinne ist Possession ein Film der verstört, unterhält und am Ende mehr Fragen aufwirft, als Antworten gibt.
"Ich habe nur noch AUGEN für dich, Schatz! Hast du auch welche für mich?"
Im Laufe der Jahre neigt die frustrierte Ehefrau dazu wahnhaft eifersüchtig zu werden.
Wenn derartige Blicke häufiger auftreten, sollte man sich schleunigst nach der Nummer eines Scheidungsanwalts umhören...bevor es zu spät ist!
Der polnische Regisseur hat das geteilte Berlin als Drehort genutzt. Die erste Szene, welche die Berliner Mauer mit einem Schriftzug "Die Mauer muss weg" zeigt, soll Sinnbild für den weiteren Film werden. Es besteht nämlich ein Grenzwall zwischen allen Charakteren - und unüberwindbar zwischen Produzent und Filmpublikum. Die stückchenweise präsentierte Handlung lässt den unwissenden Zuschauer Stück für Stück ahnungsloser zurück. Mag der Betrachter anfangs eine Liebesgeschichte vermuten, glaubt er alsbald sich in einem Gore-Movie zu befinden. Am Ende dominieren dann göttliche Fragestellungen, die - ich weiß nicht - vielleicht gar keine sind.
Können diese Augen lügen? BESTIMMT!
Können diese Blicke töten? AUF JEDEN FALL!
Ist das wirklich die Frau die ich geheiratet habe? SIE SCHAUT GANZ DANACH AUS!
Eine Inhaltsangabe erscheint schwer. Anfangs kehrt Mark aus irgendeinem lang andauernden Arbeitsverhältnis zurück, um die kaputte Beziehung zu seiner Frau Anna verdammt schlecht zu verkraften. Diese schläft nämlich nicht nur mit dem Megafreak Heinrich, sondern mag auch den sexuellen Kontakt zu einem weiteren mysteriösen und schleimigen Kerl. Mark, der nicht nur durch einen Sohn sondern auch durch etwas anderes (keine Ahnung was) mit dieser Frau verbunden ist, versucht die Beziehung zu retten, findet SICH letztendlich aber in einem Zusammenbruch der Welten wieder.

Als SIE nach einem langen, anstrengenden Einkaufsbummel auf dem Nachhauseweg war und feststellen musste, dass SIE ausgerechnet das Toilettenpapier vergessen hatte,
verlor SIE vollkommen den Verstand, wurde hysterisch und ließ sich einfach gehen...
Das wenige eindeutig festzumachende an diesem Film dürften die schauspielerischen Leistungen und die Kamerafahrten sowie -Einstellungen sein. Isabelle Adjani als Anna gibt eine "Wahnsinns"-Performance ab, die so abgefahren ist, dass ich aus diesem Film eine Angst vor Frauen mitgenommen hab.
Die ebenfalls körperliche/seelische Nicht-Alltäglichkeit von Sam Neill als Ehemann Mark nahm mir dann das verbliebene Vertrauen in die Menschheit. Verstört und neugierig sah ich mir dann den restlichen Film an, um von den nervös machenden, sowie anstrengenden Kamerarundfahrten und beängstigenden Nahaufnahmen endgültig den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen. In Embrionalstellung lugte ich auf den Fernseher um wenigstens etwas Aufklärung zu erhalten - diese Sehnsucht wurde aber blutig niedergeschlagen.
Bei einer Interpretation kann ich mir so einiges erlauben, da der Film extrem viel Spiel(platz)raum bietet. Daher heute mal ganz anders:

(ACHTUNG! SPOILING POINT AHEAD!)
Als Mark einen nicht ganz sauberen Job im Ausland verrichtet, ist seine Frau Anna mit dem Nachwuchs in Berlin zurückgeblieben. Ungewiss ob ihr man lebend oder tot, frei oder in Handschellen, vielleicht sogar gar nicht nach Hause kommt, lernt sie auf einer Hippie-Party den Esoteriker Heinrich kennen. Aufgrund seiner „offenen Art“ hielt sie ihn zuerst für schwul und ließ ihn nahe an sich ran. 
Junge Männer sind vor der Angst des sexuellen Versagens geradezu bessen!
"Ist ER auch lang genug für SIE? Befriedige ich SIE damit auch auf fachgerechte Art und Weise?
Mache ich ES überhaupt richtig und warum starrt SIE so gelangweilt an die Decke?"

Dabei ist der modernen Frau die Penisgröße längst egal geworden. Hier gilt die uralte Faustregel:
Nicht die Schlauchlänge ist entscheidend, sondern wie weit und wohin ich damit spritzen werde!

Sie merkte es gar nicht, wie schnell Heinrich eine Gehirnwäsche vollzogen hatte um in sie „einzudringen“ - in jeglicher Hinsicht. Doch bedeutender als der Sex, war das Mental-Coaching. Anna entdeckte in sich eine göttliche Ader, die sie durch Abkehr von ihrer Familie, füttern konnte. Sie brachte es sogar so weit, dass das ehemals unbemerkte zu etwas „greifbarem“ wurde und sich dazu entschloss in einer Unterführung zur Welt zu kommen. Dies sollte Annas schmutzigster Tag werden…

Das etwas will nämlich nicht nur gesäugt werden, es will die Mutter auch ‚inzuchtieren‘. Während es sich also von Mamas Feuchtigkeit sowie von humanem Frischfleisch ernährt, kommt Mark nach Hause und bemerkt das etwas schief läuft. Das führt zuerst zu einem Streit mit Anna, dann zu einem extremen Rausch. Nach drei Wochen reinster Abdichtung verlernt er das Sprechen. Doch die Neugier nach dem Seitensprung seiner Frau, bringt ihn auf die Beine und zu frischen Klamotten. Er sucht Heinrich findet ihn, wird angeschwult und ist nicht mehr sauer. Dann – als Brüder im Geiste – finden sie heraus, dass der wahre Seitensprung jemand anderes ist. 

SIE steht wirklich total auf den Schlauch!
Da SIE nicht im Geringsten mit dem Originalrezept vertraut war, endete schon die Zubereitung der frischen Calamares in einer riesigen, ekelhaften Schweinerei. SIE hatte jedoch Glück im Unglück:
Der Anblick der sich ihrem hungrigen Ehemann bot, sah zumindest nach "Tintenfisch ringen" aus!

Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Film an Fahrt auf. Anna dreht durch, da „IT“ schon erwachsen ist und immer mehr Nahrung (…) braucht. Gleichzeitig hat Anna - durch Heinrichs Esoterik-Kurs – zu tief in ihr (inneres) Glas geschaut und beginnt mit der Kamera zu sprechen. Dies klingt ähnlich den ersten Sven Väth Interviews nach der Loveparade Premiere. Mark findet heraus was in Berlin so abgeht und versucht die dunkle Seite seiner Frau zu verstecken. Doch keine Chance, ehe er sich versieht, hat die dunkle Seite seine Klamotten an und schaut sogar aus wie er selbst. Hat Anna seinen Gegenpart geboren?

(...SPOILING POINT SAFELY PASSED...)

DIAGNOSE:
Der Film ist etwas für ein experimentierfreudiges Publikum. Ein wahrer Midnight-Movie. 
Das Göttlich-Theoretische hält sich hier mit Blut und Schleim die Waage.
Für Möchtegern-Philosophen sind vereinzelt tiefgründige Thesen enthalten; Kafka-Leser könnten sich an Interpretationen der Handlung abarbeiten. Doch herausragend ist die schauspielerischen Leistungen, weswegen zum Beispiel Isabelle Adjani auf dem Cannes Film Festival als Megapsychopathin ausgezeichnet worden ist. Wer einen Film sehen will, der ihn noch ein Weilchen beschäftigt, kann gerne ein Verwirrung wagen...


4 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Maddog23 hat gesagt…

Erst seine Mutter als Entschuldigung benutzen und dann Ghostwriter anheuern, welche klar ersichtlich diesen Beitrag verfast haben. Guttenberg hat wenigstens seine Mutter raus gehalten.

Anonym hat gesagt…

Ich kann da Maddog23 nur zustimmen. DR.PRF Adalbert ist bestimmt CSU Mitglied.

Professor Adalbert hat gesagt…

Ghostwriter oder die Geister die ich rief.
Maddog23, Ihr analytischer Verstand hat die Wahrheit mal wieder ans Licht gebracht...

Tatsächlich war ich beim schreiben dieser Review besessen von dem Geist dieses Filmes. Die Kritik schrieb sich quasi wie von selbst und das traumatische Erlebnis, dass mich nach der Sichtung noch lange beschäftigen sollte, legte sich selbständig vor mir auf das virtuelle Blog Papier.
Als ich wieder vollkommen zu Sinnen kam und entdeckte, was die Ghostwriter für mich getan hatten, rief ich sie erneut an, sodass ich ihre Unterschrift - gemäß den wissenschaftlichen Methoden - unter diesen Beitrag heften konnte. Leider blieb mein Versuch erfolglos: erst die erneute Sichtung dieses schweren Filmes, erlaubt eine erneute Aufrufung, doch das verkrafte ich nicht.

Zum Thema Politik & Dr.-Titel. Frei von Arroganz will ich behaupten, dass meine Einstellung erhaben über jedes politische Parteiprogramm ist. Folglich wäre der Beitritt in eine Partei ein geistiger Rückschritt für mich. Und ja, ich wäre bereit meinen Doktortitel an die Geister zu geben, die diese Review geschrieben haben. Doch wie oben beschrieben, sind sie schon wieder weg und ferner trage ich keinen Doktortitel. Hier enttäuscht mich dann doch der analytische Verstand unserer süchtigen Leser...

Gezeichnet(er) Prof. (nicht Dr.!) Adalbert

Bartel aka Faniel Dranz (überzeugter Bartträger) hat gesagt…

Ihr seit ja strange...

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