Dienstag, 31. Mai 2011

Kidnapped - Secuestrados (2010)


TERROR! TOTE! HYSTERIE!
- SECUESTRADOS -
Invasions-Eskalations-Exzess

  
Das Genre des Terrorfilms, dessen berüchtigster Vertreter wohl bis heute
"THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE" ist, brachte im Laufe der Jahre das Subgenre
HOME INVASION
hervor.
Was sich anhört wie der Name einer billigen House-Compilation ist in Wahrheit noch viel schlimmer als jedes der von David Guetta produzierten Verbrechen. Hier geht es um die Angst  in seinem eigenen Heim nicht mehr sicher zu sein weil eine Bedrohung (anonymer oder sichtbarer Natur) sich Zugang verschaffen will.
Ein Gefühl das dem Amerikaner nur allzugut bekannt ist und wahrscheinlich aus dem kollektiven schlechten Gewissen herrührt, dass selbst der Boden auf denen ihr Haus steht nur durch eigene gewalttätige Invasion und der Vertreibung der Urvormieter zu ihren Besitz wurde.

Auch ich kenne diese Furcht. So gut wie jedes Wochenende kehrt sie zurück, denn betrunkene feierwütige Menschen, die sich mir als meine "Freunde" vorstellen, lauern in ganzen Rudeln vor meiner Haustür!
Sie verschaffen die sich dann Zugang in meine Räumlichkeiten und (was noch viel schlimmer ist) zu meinen Nahrungs-und Alkoholvorräten. Wenn es mir gelingt die Eindringlinge zu vertreiben ist es oft schon Sonntag.
Meist habe ich dann auch nicht mehr alle Tassen im Schrank weil das ganze Geschirr von den Besatzern benutzt und unabgespült meiner Wohnung verteil wurde.
Unter der Traumatisierung durch dieser Überfälle leide ich noch Wochen später, andere Opfer sogar ein Leben lang
HOME INVASION ist also ein ernstes Thema weswegen sich die darüber gedrehten und drehenden Filme meist hart und düster geben. "STRAW DOGS" von Sam Peckinpah oder Carpenter´s "ASSAULT ON PRECINCT 13" sind noch die harmloseren Vertreter dieser Gattung. Weitaus ungemütlicher geht es in Werken wie "INSIDE" oder dem weitaus härteren meist unterschätzten "KEVIN ALLEIN ZU HAUS" zu!
"Auch wenn wir uns lange nicht mehr gesehen haben...
Lass mich bitte los! Du tust mir weh!"

Überraschender und grausamer als jede Home-Invasion:
Besuch von Oma!
TERROR IN EUROPA:
Im Zuge der riesigen Welle Terrorismus die Ende 2001 über unseren Köpfen zusammenbrach, schwappte auch ein wenig popkultureller Terror mit über den großen Teich. Dessen Anhänger tauchten sofort in Europa unter, um mit ihren operierenden Zellen langsam aber stetig das lahm gewordene zahnlose Genrekino zu untergraben. 2002 war es  dann soweit!
Die ersten Angriffswellen der kultureller Anschläge kamen plötzlich, häufig und unerwartet! Das offensive Abschlachten unter der Leitung der jungen gnadenlosen ultrabrutalen Terrorchefs Aja, Bustillo, Maury, Laugier konnte beginnen!
Flächendeckende Polarisierungen und die millionenfach ausgeübten Liquidierungen unschuldiger Moralempfinden wurden angeordnet!
Frankreich machte es vor und das restliche Europa machte mit.
Miguel Angel Vivas scheint nun für die Radikalisierung Spaniens verantwortlich zu sein.
Sein von ihm geplanter und ausführter Terroranschlag  mit den Decknamen
"SECUESTRADOS - KIDNAPPED" ist ein gnadenloser Beweis für die verwirrten Ideologien europäischer Filmschaffender.

ANALYSE:
In nur 10 Einstellungen die jeweils nur mit einer einzigen Kamerafahrt (in zwei Szenen durch das Split-Screen Verfahren erweitert) in Szene gesetzt werden erzählt Vivas von einem unerwarteten Hausbesuch. Die Sogwirkung die  durch diese visuelle Minimalisierung entsteht ist enorm.
Binnen kürzester Echt-Zeit entwickelt der Streifen eine Ungemütlichkeit die fast schon dokumentarisch anmutet. Die Geschichte einer neureichen Familie (Vater, Mutter, Tochter) die am ersten Abend in ihrer neubezogenen Villa von einem kriminellen Trio (Profi, Psycho, Emo) überfallen werden, ist zwar nicht gerade neu, wird dafür aber mit einer derart heftigen Intensität erzählt, dass die Münder offen und die Mägen zugeschnürt bleiben.
Der Anfang zeigt das Ende eines bereits begangenen Überfalls und gibt sogleich die Marschrichtung vor:
Was sich in den nächsten 80 Minuten abspielen wird soll keineswegs als "Feel Good Movie" verstanden werden! Deswegen wird erst einmal eine kleine Verschnaufpause eingelegt in der ein kurzes Bild der Opfer gezweichnet wird. Eine finanziell funktionierende Wohlstandsfamilie mit einer pubertierenden Tochter, deren Erziehung alleine schon Terror genug wäre, und einem Vater der allen familiären Ungemütlichkeiten mit einem "Ja, klar!" und dem nötigen Taschengeld vorbeugt.
Mama ist natürlich nicht begeistert über soviel väterliche Toleranz. Die Tochter schert sich einen Dreck über Mamas penibel ausgerichtetes Abendessen welches sie anlässlich des Einzuges und der wackeligen, aber immer noch stehenden Scheinheiligkeit und Pseudo-Harmonie, für ihre Lieben geben wollte.
Ihr Spross hingegen will mit dem neuen Loverboy eine Fickfiesta mit entjungferungsfreundlichen Ambiente besuchen. Ihren Willen versucht sie, mit allerlei Fäkalsprache und zahlreichen Verweisen auf ihre bereits eingetretene körperliche & geistige Reife, durchzupeitschen.
Hier zeigt sich schon ein enormer  töchterlicher Hang zur Hysterie der sich im Laufe der Handlung, in voll ausgeprägter Form, als ihre Meisterdisziplin erweisen wird.
"Wollte euch eigentlich nur fragen ob ihr mir Kohle vorstrecken könnt?
Ich hab mal wieder meinen PIN vergessen
und Opa´s Nazigoldversteck finde ich auch nicht mehr!"

Im fortschreitenden Stadium wird die Demenz für Familienangehörige auch zur finanziellen Belastung...
Normalerweise bin ich niemand der einen Film komplett durchanalysiert, nur um danach ein bis auf die letzte Unstimmigkeit blankgehäutetes Handlungskorsett, mit tausenden Post-It´s zu bekleben( für jede Kameraeinstellungsreferenz, Szenenrhythmik, Schnittdramaturgie..etc..etc...)welches dann noch großzügig mit der Assoziationskette gefesselt wird.
Ich bin der Meinung das ein Film immer erst auf der emotionalen Ebene funktionieren muss bevor man ihn aufgrund seiner Technik verheizt. Mir ist es auch ein Greuel Filme mit Menschen teilen zu müssen, die ständig  Technikmängel oder -verbesserungen proklamieren oder gar in jedem zweiten Setpiece den unübersehbaren
"Godard-Fellinni-Zusammenhang-mit-anschliessender-Hitchcock-Verbeugung-auf-der-Kurosawa-Achse"
zu erkennen glauben.
Manchmal lässt man sich eben so sehr von der Hülle ablenken das man es versäumt in den Kern vorzudringen welcher das enthält für was wir Kino eigentlich lieben:
Das Gefühl das wir fühlen, wenn aufwühlende Leinwandgefühle, dank & durch unsere Augen gefühlt werden können. Cinephilie eben.
Lange Rede kurzer(bzw. getrübter)Sinn:
KIDNAPPED ist fühlbares Kino. Die filmschaffende Triebfeder von Miguel Ángel Vivas läuft von Anfang bis Ende auf Anschlag.

Hier wird man schon mitgenommen obwohl man noch nicht einmal gefragt hat ob man mitdarf geschweige denn überhaupt mit will. Hier herrschen noch die große Emotionen und der Hang zur großen Geste, auch wenn es sich hier um unangenehme Gefühle und aggressive Gewalthaltung handelt.Die kurze klischeebeladene Darstellung von oberschichtigen Gefühlswelten und Luxusproblemen wird einer genauen Charakterzeichnung vorgezogen und zum Gunsten eines altmodischen "thrill-ride" vorgezogen.
Von vielen wird das Fehlen von "echter" Exposition häufig in Filmen angeprangert.
Bartel versteht das nicht. Wenn ich mich auf eine Achterbahnfahrt einlasse mache ich das doch weil ich offensichtlich ein paar Schrauben locker habe und nicht weil ich wissen will wie und wo die Schrauben in dieser technischen Konstruktion angebracht sind.
"MACH DAS ES AUFHÖRT! MACH DAS SIE WEGGEHT!"
Die zahlreichen Überraschungsbesuche der Großmutter haben meist
unabsehbare traumatische Folgen für ihre Enkelkinder...
Ist ja auch egal! Bevor man überflüssige Gedanken zum Thema "Wer? Wo? Wieso? Woher? Warum?" vertiefen kann klopft es auch schon an der Fenster- bzw. Türscheibe.
Und zwar so heftig, dass diese gleich zerbricht um den Blick auf die nächsten 3 Teilnehmer dieser, bereits im Konflikt stehenden Situation, freizugeben.
Das Terror-Trio pfeift auf jegliche gutbürgerliche Etikette und statt an der Schwelle zu warten bis man reingebeten wird, haut man dem verschreckten Hausherrn lieber gleich eine rein !
Kommunikationsprobleme sind meist Vorbote von häuslicher Gewalt!
Ohne viel Umscheife wird die Ernsthaftigkeit des Besuches klargemacht.
Kreditkarten raus! Geheimnummer raus! Handy raus!
Papa gibt den Gewieften. Handy im Büro vergessen. Mama wird mit Plastiktüte teilstranguliert.
Luftlöcher reinmachen vergessen! Papa wird vernünftig und erinnert sich wieder an alles.
Schließlich klingelt das Handy ja auch. Blöd gelaufen. Mama? Blau angelaufen.
Der Anführer der Bande lädt Papa auf einen "Joyride" ein. Mit einem Papiertaschentuch und ein klein wenig Spucke wird  er vom Chef ganz liebevoll ausgehfertig gemacht. Das Reiseziel sollen diverse Bankautomaten sein von denen Papa ausgiebig abheben darf. Logiklöcher tun sich auf. Warum heben die Jungs das Geld nicht einfach selbst ab? Na egal! Hauptsache es bleibt spannend!
Spannend ist es definitiv was hier geboten wird. Vivas verzichtet wie die meisten Vertreter des gegenwärtigen Terror-Kinos darauf die Familienmitglieder auf "die Folter zu spannen".
Das wäre zu leicht. Brutal wird es dennoch werden.
Wer  auf die  Pubertät seiner Kleinen nicht klarkommt
sollte sich besser gleich "die Kugel" geben (lassen)...

Auf dem Weg zur allgemeinen Hosentaschenerleichterung wird dem Papa unmissverständlich klargemacht, dass jegliche dumme Gedanken von seiner Seite, durch drastische Gewalteinwirkung von Seiten der beiden im Haus wartenden Kollegen an seiner Familie, beantwortet werden.
Keine Probleme, keine Opfer. Ob das ehrlich gemeint ist bleibt freilich unklar.
Die Dummheiten werden letztendlich auch nicht von Papa sondern von seinen beiden besseren Hälften begangen. Daheim gibt es nämlich unerwarteten klassischen Genre-Besuch.
Zuerst steht das versetzte männliche Date der Tochter vor der Tür und dann noch der obligatorische Streifenpolizist der einer unausweichlichen Beschwerde wegen Lärmbelästigung nachkommt.
Lärm durch Hysterie. Vorallem die Tochter fährt hier ein schwer zu ertragendes (im positiven Sinne) Spiel auf.
Sie ist es auch die das Finale einläutet welches in Sachen Intensität den Vogel abschiesst.
Dieses fährt dann allerdings ein Gewalttheater auf, das in dieser Drastik vielleicht nicht nötig gewesen wäre aber wieder einmal zeigt das KIDNAPPED sich anbiedernderweise als ein Kind unserer Zeit "outen" will (aber es eigentlich nicht müsste...)!
Der finale Zynismus in seiner letzten Einstellung ist in seiner Heftigkeit allerhöchstens noch mit A SERBIAN FILM vergleichbar...oder stellt gar eine Verbeugung in Richtung des Serben dar.
WARUM GIBT ES KEINEN
"Gefällt mir nicht! - Button"
AUF FACEBOOK?

VERFLUCHTE KACKE!
DIAGNOSE:

(Nur nach erstmaliger Sichtung empfohlen!)

Regenschirme ausgepackt! Hier hagelt´s jetzt gleich SPOILER:
Wie ich ja bereits erwähnte ist das "Rollenverhalten" (egal ob logisch oder nicht) immer durch Zustand & Situation bedingt.
Auf KIDNAPPED bezogen darf hier nur derjenige sein (aufgrund der austretenden Kritik weit gedehntes, Maul aufreissen der auch echte Lebenserfahrungen im "Home-Invasion-Bereich" sammeln konnte. Da ich leider niemanden kenne der von den Angriffen auf seine Millionenvilla und/oder seiner Gesundheit und die seiner Familie durch die Hand maskierter Gewaltmenschen, berichten konnte, halte ich mich in diesem Punkt heraus. Die leidige Frage in welche Richtung man eine Treppe hinauf oder hinab laufen muss wenn man doch eigentlich hinaus will, kann auch ich nicht beantworten.
Was KIDNAPPED angreifbar macht sind seine Angreifer selbst bzw die versäumte Erklärung des Drehbuch bezüglich deren Motivation.Die schablonenhafte Zeichnung der Familie fällt hierbei nicht ins Gewicht (die meiste Kritik dreht dem Film hier schon seinen Strick) ist sie doch klassisch in ihrer Representation der reichen Oberschicht. Egal ob arm oder reich: In ein Opfer fühlt man sich vielleicht nicht gerne dafür aber leicht hinein. Hier stellt sich die Frage der Sympathie gar nicht.
Das Terror-Trio ist es, welches sich im Laufe der Handlung, von den eiskalten und brutal agierenden "Berufsprofessionellen" in eine chaotische, von Gefühlen beeinflusste, logik-löcher produzierende Clown-Posse verwandelt. Bei der zweiten Betrachtung fiel beispielsweise auf, das es sich bei einem der Möbelpacker vom Einzug, um einen der Täter handelt  der die Situation ausnutzt um das Anwesen auszuspähen. Die Tatsache das die Täter brutal und skrupellos handeln hat uns ja schon der großartige drastische Anfang gezeigt, das sie für derartig geplante Überfälle also auch  die Nerven und  das Talent besitzen sollten (zumal diese ja auch wiederholt passieren) scheint in der Natur der Sache zu liegen.
Wer sich nun denkt das Bartel hier seine eigene Meinung bezüglich der Exposition in Frage stellt, hat Recht:
Dies macht mich ebenso schizophren wie es der gesamte Film ist!

Nachdem sie sich Zutritt verschafft haben und anfangen sämtliche Wertsachen einzupacken lässt schlägt einer der Männer ein Familienfoto aus einem Rahmen und verstaut dieses in seiner Tasche.
Wozu das ganze? Hier wird urplötzlich Leerfläche für Plot-Verschwörungstheorien feil geboten.
Genauso urplötzlich gerät deren Clou auch ausser Kontrolle.
Wer solche krummen Dinger drehen will sollte zumindest mit einigen "Zufällen" und
"ungeplanten Überraschungen" rechnen.
"Und Sie behaupten ernsthaft das dieses klebrige, benutzte Präservativ
im Schulschließfach meiner Tochter gefunden wurde?"

Nachdem Gangster Nr. 1 (und anscheinend auch das "Gehirn" der Bande) mit dem Familienvater zu seiner Bankenspritztour aufbricht, verlieren die beiden bewachende Banditos fast augenblicklich die Kontrolle über die Situation und ihren Gefangenen. Hier bewahrheitet sich wieder einmal das Sprichwort:
Ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

Gangster Nr. 2 entpuppt sich als kokainbedröhnter, notgeiler und triebgesteuerter Sexualverbrecher.
Nicht mehr die Durchführung des Plans, sondern die des Geschlechtsverkehrs, bestimmen seine folgendes Handeln. Selbst der Kollege schafft es nicht mehr den freilaufenden, triebgestörten Vergewaltigungsfanatiker an die Leine zu nehmen. Es scheint gerade so als ob dieser vorsätzlich versucht die Eskalation herbeizuführen damit er endlich einen Grund dafür hat den beiden Frauen sexuelle und körperlich Gewalt anzutun. Aus dem Raub- wird ein Rapeüberfall.

Gangster Nr.3 hingegen hört auf einmal sein Gewissen flüstern.
Beim ersten Fluchtversuch von Mutter und Tochter droht er damit, den Schulfreund
(der wegen der geplatzten Verabredung mit seiner Herzdame aufgetaucht ist...) umzubringen.
Anstatt Worten Taten folgen zu lassen, täuscht er den Mord nur an (was dem Zuschauer erst später klar wird) und gibt somit nicht nur die bisherige strenge Verhaltenslinie sondern auch seine Glaubwürdigkeit auf. Als Gangster Nr.2 den Streifenpolizisten tötet zeigt sich Nr.3 sichtlich schockiert und wird sogar handgreiflich. Als  dann Nr.2 seinen Restefrust an der Mutter auslässt und danach auch noch die Tochter ins Schlafzimmer schleift ist Nr.3 am Ende mit seiner Kraft. Er lässt sich nicht nur zu einer Entschuldigung gegenüber der verprügelten Mama hinreissen sondern bricht in deren gebrochenen Armen auch noch in Tränen aus.
Da mutet es schon fast wie ein Witz an das eine solche Truppe angeblich zum wiederholten Male zuschlagen wollte. Bei einer derartigen Spannung innerhalb des Personals ist es doch ein Wunder das die Jungs überhaupt noch auf freiem Fuss bzw am Leben sind...

Gangster Nr.1 scheint dann auch zu ahnen woher der Hase läuft.
Der Kurtztrip zum Geldautomaten wird von ihm einfach zur Stadtrundfahrt umimprovisiert.
Er verlängert einfach die Wartezeiten und hält den sichtlich besorgten Vater notdürftig bei der Stange.
„Du bist am Leben, weil du die Angelegenheit einfach machst. Mich kümmert dein Leben nicht - 'tot' oder 'lebend' ist nicht wichtig, sondern 'einfach' oder 'schwierig'“...
Dieser Satz ist nicht unglaublich anmaßend da er nur zur totalen Verwirrunsstiftung dient.
Geschickt wird hier die Hoffnung auf ein gutes Ende vorgegaukelt obwohl man sich als Koordinator
doch über die Fehler und Schwächen seiner eigenen Mannschaft im Klaren sein sollte.
Um Papa bei Laune zu halten bietet er ihm sogar eine Waffe an mit der Option auf eine Beförderung zum Sündenbock. Dieser hat natürlich ganz andere Sorgen.
Nr. 1 ist es gelungen den Vater davon zu überzeugen, dass dieser die alleinige Macht über Gelingen und Scheitern des Planes aber auch über das Überleben und Sterben seiner Familie hat.
Der Nachteil: Ihn plagt jetzt das schlechte Gewissen eines Anderen und er muss sich auch noch  Gedanken über die Probleme seines eigenen Peinigers machen, weil dieser viel zu kriminell und abgebrüht ist um sich die eigene Schuld einzugestehen. Hier zeigt sich dann auch die eigentliche Genialität des "Gehirns" welche im Grunde eine tragische ist:
Er selbst macht es sich so "einfach" wie möglich während die totale Kooperation des Vater von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Er soll einen Plan "vereinfachen" ohne zu ahnen das dieser nur deshalb so "schwierig" ist weil die einzige Schwierigkeit im Grunde, die Planleitung selbst ist. So war das natürlich nicht geplant!
Als dem Papa klar wird das er die ganze Nacht lang den Chaffeur für ein total fehlgeleitetes Managment gespielt hat und seine Kündigung längst feststeht fährt er den Karren frontal gegen die Wand.
So schafft er es noch im letzten Moment die Schuld für etwas abzugreifen für das man ihn sowieso verantwortlich gemacht hätte. Wer nun gar nicht mehr durchblickt der sei beruhigt: Ich tue es auch nicht!
Da macht nicht nur der Zuschauer Augen...
Am Ende serviert uns KIDNAPPED grundlosen Gore mit voller Breitseite!
Die Erleuchtung die den Vater zu diesem drastischen Fahrverhalten treibt findet zeitgleich mit der Emanzipierung der Tochter in der Villa statt...dies ist wird für den bereits hoffnungslos verwirrten Zuschauer durch die vereinfachende Weise des Split-Screen Verfahrens dargestellt.
Das tolle, fast schon berauschende Gefühl welches diese Szenen beim Betrachter auszulösen vermögen, gründet auf der Tatsache das dabei gleich zwei ganze Gehirnhälften für nahezu 10 Minuten auf Anschlag arbeiten müssen, um sicherzustellen das auch wirklich alle handlungsrelevanten Gewaltdarstellungen vom zuckenden Zuschauerhirn verarbeitet werden können!
Für die heimische Gattung des Gore-Bauern ist dies aber eher eine Zumutung als ein Zugeständnis.
Da er unfähig ist, auf die, für die optische Aufnahme einer solchen Visualisierung benötigte zweite Gehirnhälfte, zuzugreifen, bleibt ihm die erregende Stimulierung der niederen Instinkte vollkommen verwehrt:
Unfähig die zweite, weitaus blutigere Hälfte der Leinwand wahrzunehmen verlässt er entäuscht das Kino.
Ein cleverer Schachzug der Regie:
Das misanthropische Finale, das die unbarmherzige Abschlachtung der gesamten Familie zeigt bleibt den abwesenden ideologisch fehlgeleiteten Gewaltkonsumenten verwehrt. Dies mag auch der Grund sein wieso  das übliche Gelächter und die Beifallbekundungen während des Abspanns eher spärlich ausfielen.
Die vollständige Abwesenheit der "gemeinen Bluttouristen" löste bei den restlichen Zuschauer seelisches Unwohlsein und eine betrübte Stimmung aus. Manch einem wurde jetzt erst klar das sie gerade alles andere als eine Komödie gesehen hatten!

Spaß beiseite:
Das Ende zelebriert weniger eine zynische Konsequenz sondern ist meiner Meinung nach eher das Einlösen eines mündlichen Versprechens. Hier wollte nur jemand klarstellen das sein Wort das einzige ist auf welches man zählen kann. Das er die Familie töten wird falls sie es "erschweren" sollten hatte er mehr als einmal klargestellt. Ein Gefängnisaufenthalt oder gar der eigene Tod werden in Kauf genommen, solange die eigene Glaubwürdigkeit bestehen bleibt. Somit bleibt der Chef als einziger der Truppe seiner Linie treu ohne sich in sinnentfremdeter Gefühlsduselei zu verlieren.
Hier wird einfach nach all den geschüttelten Handkameraschwenks, den zitternden bebenden Körpern und der kreischenden, hysterischen Emotionshektik ein ruhiger und angenehm unaufgeregter Schlusspunkt gelegt welcher dem ganzen Zennober ein geradezu altmodisches Ende setzt:
Wenn alle tot sind, muss niemand mehr nachdenken. Am allerwenigsten der Zuschauer.
Übersichtlichkeit durch Endlichkeit!

Apropos Ende.
Endlich fertig!
Hochachtungsvoll,
euer Bartel

A Serbian Film (Srpski Film) (2010)

PORNED  TO  DEAD...
"Liebling, ich habe die Kinder gefickt."


ANALYSE:
Schon der Titel gibt sich pragmatisch:
Ein serbischer Film also. Ein Film der seine Nationalität im Namen trägt. Ein Land das man sogleich mit den Schlagwörtern "Krieg" und "Gewalt" assoziiert. Wer dieses Brainstorming selbstständig weiterspinnt hat binnen weniger Sekunden wahrscheinlich ein Massengrab voller ungemütlicher, unangenehmer wenn nicht sogar unmenschlicher Fantasien mithilfe seiner Imagination ausgehoben.
Plakative Fantasien. Hirnpenetration durch perverse Plakativität. Vom Buchstaben "P" ist es dann auch nicht sehr weit bis zur Pornographie. Und in der Tat wird in A SERBIAN FILM allerhand gepimpert.
Meist sogar bis es blutet...
Letztendlich ist der Serbe genau die Art von Film die ein Publikum verdient hat, welches stetig danach schreit, das man es ihm absonderlicher, härter und brutaler besorgen soll...
Die Handlung (die wahrscheinlich schon der letzte Sonderling da draussen in- und auswendig herunterbeten kann...) sei an dieser Stelle nocheinmal kurz umrissen:
Ein ehemaliger serbischer Pornostar akzeptiert ein letztes, äusserst ominöses doch lukratives Rollenangebot, mit dem er sich und seine Familie finanziell absichern möchte.
Dieser finale Film wird für ihn und den Zuschauer mehr HARDCORE als all die Schweinereien für die er zuvor vor der Kamera "gestanden" hat...

RED RIDING BLOOD:
Wenn der pervertierte Papa mit einem passionierten Panda-Pornographen um die Häuser zieht nimmt das Märchen garantiert ein böses Ende...
Nicht nur das das Hirn des Betrachters auf übelste Art und Weise in Mitleidenschaft gezogen wird, der sogenannte brainfuck wird auch noch im Finale explizit auf der Leinwand praktiziert. Man garniere das Ganze noch mit Begriffen wie "Pädophilie", "Nekrophilie" und dem berüchtigten bösartigen Terminus "newborn porn" (der in seiner filmischen Relation weitaus biederer daher kommt als wie er im Foren-Vorfeld angekündigt wurde...) und serviere es dem Tabubruchsuchenden auf dem "serbischen" Tablett. Schon hat man einen formvollendeten Skandal dem durch ein kurzes Internetzzo ganz eigene flüsterpostartige Stilblüten gedeihen.
WER URINIERT WIRD PENETRIERT:
Keine Filmszene sondern ein ganz normales Wochende in der Redaktion...
Noch fast vor den meisten Screenings auf den internationalen Festivals hatte jeder Gore-Paparazzi  eine Kopie der, strategisch geschickt zum illegalen Download feilgebotenen, DVD-Screener Version auf der heimischen Festplatte.
Seit SALO gab es keinen solchen (wenn auch zu großen Stücken gezielt in Szene gesetzten) Aufschrei der Empörung mehr. Der Veranstalter des spanischen Sitges Filmfestival musste sich für die Aufführung des "Serben" gar juristisch verantworten. Aber all dies ist bereits unzählige Male erzählt, berichtet und niedergeschrieben worden. Wer jetzt aber nicht mehr aufhören kann jage doch einfach den Titel durch seine Fluch...ähhh...Suchmaschine und erfreue sich der zahlreichen Anekdoten über Vergewaltigung, Missbrauch, Zensur, Sarma sowie serbisches Reisfleisch. Ein kurzer Blick auf Wickipädoa tut´s natürlich auch.
Die Neugierde will gestillt werden!
Und aus diesem Phänomen nährt sich der Film bzw. sein geistiger Papa Srdjan Spasojevic.
Popularitäts-Vampirismus in Formvollendung.
Jegliche moralische Kritik dementiert der Filmemacher gebetsmühlenartig mit den immer gleichen Argumentationen das sein Film, metaphorisch betrachtet, genau das, im kollektiven serbischen Unterbewusstsein verankerte "Lebensgefühl" vermitteln soll welches sich in etwa so anfühlt als ob man "von Geburt an gefickt werde...sein Leben lang!"

Die Metapher reicht Spasojevic aber scheinbar nicht:
Da die die Mehrzahl der serbischen Jugend ( laut seines Wissens)  über die hohe Kunst des Analphabetismus verfügt, darf man natürlich auf eine Symbolik die den Worten Nachdruck verleiht, nicht verzichten:
Die teilexplizite Vergewaltigung eines Neugeborenen dürften somit auch diejenigen verstehen, die damals in der Schule beim Schwerpunkt "Gedichtsinterpretation" nur dürftig abgeschnitten haben!
Trotz der enormen Ausprägung seines Wort-und Bildsprachengemächts fängt er also an ordentlich und ungestüm mit der Skandalkelle auszuteilen:
I SPIT ON YOUR GRAVE:
Ob es von A SERBIAN FILM in zwanzig Jahren ein amerikanisches Remake geben wird ist zweifelhaft.
Dieser Ansatz bleibt natürlich weiterhin zum Kotzen...
Viel, ...ja viel..., ja jetzt sogar vielzuviel ist  bereits über dieses Stück Zelluloid von mir  geschrieben worden.
Ich will mich für meine Verhältnisse mal ausnahmsweise kurz fassen und das Ganze auf den Punkt bringen:
A SERBIAN FILM ist perse kein schlechter Film
(auf jeden Fall keiner den man sich im Kreise seiner Lieben anschaut...).
Er ist vielleicht ein zynischer und misantrophischer kleiner Bastard, aber wirklich kein "schlechter" Film, sondern allerhöchsten SCHLECHT im Sinne der regisseurellen Intention.
QUADRATISCH, PRAKTISCH, BLUT:
Die seltsamen Phantasien serbischer Schachschergen...

Das Debut von Regisseur Srdjan Spasojevic ist ein bei lebendigen Leibe verfilmtes Problemkind dessen Leben von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Statt Liebe und Zuneigung hagelt es Schimpfe und Schläge. Statt Spiel und Spaß gibt es videoclipaffine Stakkatoschnitte und eine sterile Bildästhetik die der schmutzigen Thematik kaum gerecht werden.
Papa Spasojevic ist sich seiner drastischen Erziehung aber durchaus bewusst. Seine absolute Hingabe gilt der väterlichen Gewalt und der unheilvollen geistigen  Verwechslung von Pädagogik und Pädophilie.
Irgendwann ist das Buberle völlig von der Filmrolle und mit seiner kleinen Welt am Ende, wird aber nun  von Daddy in genau jene geschickt.
Da ihm freundliches soziales Verhalten vollkommen abgeht und es nur durch Provokation, Gewalt und einem abnormen fehlgeleiteten Sexualverhalten auf sich und sein Dasein aufmerksam machen kann, ist es ihm unmöglich auf kultureller Ebene zu punkten. Deswegen versucht es sich in der Popkultur anzubiedern.
Sein bösartiger Ruf aber eilt ihm weit vorraus und Papa schürt das Feuer auch noch an, indem er ganz dreist im Internet behauptet, dass er sich nicht schuldig für die nonkonformen Verhaltensweisen seines eigen Fleisch und Blutes fühle. Man könne ein Kind unmöglich in einem Land erziehen oder gar lieben wenn dieses ausschließlich von vergewaltigenden kriegstreibenden Gesocks bevölkert wird.
Hier wird jede erzieherische Utopie schleunigst auf den Hoden der Tatsachen "runtergeholt"!
DON´T LOOK NOW!
Ein Film bei dem alle hinschauen, auch wenn jeder "WEGSCHAUEN!" schreit..
Nächstes Problem:
Gewalt der Gewaltgeilen Willen.
Genau dieser "härter-herber-heftiger" Prämise haben wir zu verdanken das sich die moralische Empfinden (vorallem in Genrefilmen) in den letzten Jahren erschreckend verschoben hat. A SERBIAN FILM ist nur die logische Konsequenz dessen was sich schon so lange angekündigt hatte (so ungefär seit 2002 mit dem Beginn der "nouvelle-hart" wie ich die französische Horrorwelle gerne nenne...)
Lustigerweise warnten die Medien ja schon in den 80ern vor der Verrohung der Sitten.
Wer sich EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL einmal zu oft anschaut schneidet irgendwann seiner Mutter den Kopf ab..blah,...blah,....blah...!
Der gute alte Terrorfilm wird jetzt eben Torture-Porn genannt.
Klein-Erwin aus der 9b wird zwar niemanden den Kopf abschneiden aber seitdem er parallel mit Wachsen seiner Schamhaare auch sämtliche SAW Teile mitverfolgen konnte ist sein Gewaltempfinden nun mal ein klein wenig abgestumpft und unempfindlicher geworden.
A SERBIAN FILM ist vielleicht heute noch, dank der marktschreierischen Internetvermarktung und des pseudopolitischen Ansatzes seiner Macher (und ab mittlerweilen meiner Wenigkeit), ein Tabubruch den man so nicht akzeptieren will,  weil er alles andere als subtil in Szene gespritzt wurde.
Morgen aber werden die "gore-hounds" mal wieder anfangen zu heulen und die Produzenten werden darüber nachgrübeln, welche Darstellungen mittlerweilen noch machbar (ALLES!) und vorallem
noch nicht da waren (FAST ALLES):
Kill by Kaiserschnitt? Gab es schon!
Fötusvergewaltigung? Schnee von gestern! Und jetzt?
Das Ende von A SERBIAN FILM mit all seinem negativen Nihilismus, als schöner endgültiger Kommentar gesehen werden.
THROW IT IN THE GUTTER:
Was lange währt wird endlich BLUT...auch A SERBIAN FILM wird im 
filmhistorischen Abfluss der
 Geschichte enden...
Als schön gesetzter Schlusspunkt sozusagen...
Doch dann habe ich die Home-Invasion-Groteske KIDNAPPED (Analyse folgt...) gesehen und musste feststellen das sich dessen finale Szene fast schon wie ein Verweis gar eine Verbeugung auf den serbischen Filmkollegen lesen lässt.
Jedenfalls haben wir alle fleissig daran mitgewirkt das Spasojevic´ "traumatherapeutischer" Terroranschlag mehr Aufmerksamkeit bekommen wird als jemals verdient. Und mit jedem meiner niedergeschriebenen Worte verfestigt sich diese Tatsache einmal mehr.

DIAGNOSE:
Fast zeitgleich produziert und auch serbischer Herkunft ging das kleine Meisterstück von Mladen Djordjevic
THE LIFE AND DEATH OF A PORNO GANG leider in dem ganzen Trubel unter. Hier funktioniert die Verbindung von sozialem Drama und Exploitation-Groteske aufgrund der Tatsache das die Dramaturgie, das Trauma des kriegszerstörten Landes ernst nimmt und es nicht für seine medialen Zwecke ausbeutet wie es meiner Meinung nach in A SERBIAN FILM der Fall ist.
HIER WIRD SELBST DAS DR. SOMMER TEAM BLASS:
Auch das Tabuthema "Selbstbefriedigung während der Monatsblutung" wird in A SERBIAN FILM nicht ausgelassen...
Klassische Exploitation für alle die gerne die Augen mit den Händen verdecken und trotzdem die Finger spreizen um etwas erkennen zu können...
Und jeder, der angerannt kommt weil er naiverweise immer noch DEN TABUBRUCH erhofft ist selbst Schuld. Na ja, ... immerhin bleibt ihm immer noch die Option herumnörgeln zu dürfen.
Mein werter Freund und Kollege der "Gynalist" hat sich erst kürzlich seines DSL Anschluss entledigt und sich wieder einen alten 56K Ratterkasten zugelegt.
Nun wartet er minutenlang um eine simple JPEG-Pornoprojektion vor die optische Linse zu bekommen.
YouTube und andere inter"netten" Videos funktionieren gar nicht mehr...
Auf einen Download kann er, würde er es darauf ankommen lassen, monatelang warten...
Doch befindet er sich wieder in genau dem Zustand den er sich gewünscht hat.

Der Zustand vollkommener Unschuld, in der ein Gefühl wie "Vorfreude" noch als etwas total PURES empfunden werden konnte...

Wäre A SERBIAN FILM in ein solches Ambiente eingeschlagen (und das gilt für die meisten Filme heutzutage...) hätte er eine weitaus "wahrhaftigere" und intensivere Sogwirkung entwickelt, als das in unserem jetzigen MultiMediaVoyerismus je der Fall sein könnte.
Wer sich auch nur ein klein wenig in dieses prähistorische Empfinden hineinversetzten kann, wird verstehen wie "unglaublich" A SERBIAN FILM wirklich ist, oder besser gesagt ...hätte sein können...



Mittwoch, 25. Mai 2011

Bartel bittet euch vielmals um Verzeihung!

Ein überraschender Besuch
meiner Mutter traf mich vollkommen unerwartet und dauerte (zu meinem Bedauern) mehrere Wochen an, weshalb es mir nicht möglich war konstruktive Destruktive zu üben !
Erst heute Morgen gelang es mir, sie vom Verlassen meiner Wohnung zu überzeugen damit ich mich wieder ungestört den Filmgestörten widmen kann.
Wartezeiten sind harte Zeiten...dies ist mir durchaus bewusst und deswegen werde ich die Arbeit (nachdem ich mich von meinen ödipusalen Komplexen erholt habe) innerhalb weniger Monate wieder aufnehmen!
          Hochachtungsvoll,
         
euer Bartel (im Namen der Multiplen Filmstörung)

"Hör jetzt bitte auf so traurig zu gucken, Mama!
Dein mitleidiger Blick wirkt bei mir nicht mehr
! Du musst jetzt gehen!
Ich bin nun 29 Jahre alt und habe ein Recht auf meine Privatsphäre!"

Montag, 9. Mai 2011

Trash Humpers (2009)

RENTENVORSORGE IST BESSER ALS STERBENACHHILFE
UND DER SPARSTRUMPF WIRD IM MÜLL VERSTECKT...


ANALYSE:  
Der deutsche gutbürgerliche Normalverdiener rennt jahrzehntelang in die Maloche, damit er für die Ernährung von Weib und Brut aufkommen kann und um sich die wenigen bescheidenen Ansprüche, (meist in Form seines Hobbies) die er an sich selbst noch zu stellen wagt, erfüllen zu können.
Meist ist er auch noch gefangen in einem Berufsfeld für das er nach Feierabend nur angewiderte und hasserfüllte Worte übrig hat.
Die Kneipe in die er zum Zwecke der Bewusstseinstrübung einkehrt, ist gefüllt von solchen Individuen wie er selbst eines ist.
Seine Stammtischkumpanen sind allesamt soziale Doppelgänger die ständig unzufrieden sind, und mit geröteten glasigen Augen angestrengt in die Nebel ihrer Vergangenheit starren.
Meist glauben sie dort zu erkennen das ihr Schicksal eine weitaus bessere Zukunft für diese armen Seelen vorgesehen hätte, wären sie nur ihren Träumen und Wünschen konsequenter und entschlossener hinterhergejagt.
Sie alle hatten sich damals im Poesiealbum unter der Rubrik "Was ich einmal werden will..." voller Stolz für den Astronauten oder Feuerwehrmann entschieden.
Nach all den Jahren ist ihnen nur noch eines geblieben:
Das Gefühl der Angst.
Die Furcht vor dem pflegebedürftigen Alter in dem sie festzstellen werden, das all ihr Geld welches sie ganz brav und tüchtig in unzählige ominösen Kassen eingezahlt haben, verschwunden ist.
Der Horror vor einer Rente, die keine ist!
Für all diese armen Schweine hat Harmony Korine einen radikalen Rentenbeitrag verfasst.
TRASH HUMPERS
ist eine dokumentarisch aggressive Alten-Utopie die schon bald wahr werden könnte!
"Als ich noch ein Kind war, gab es in unserer Nachbarschaft eine Gruppe von Rentnern, die in den Hintergassen und unter Brücken rumhingen und sich ständig betranken und tanzten. Eines Nachts sah ich aus meinem Schlafzimmerfenster, wie einige von ihnen Mülltonnen fickten und dabei lachten. Es klang, als ob sie in einer fremden, erfundenen Sprache sprächen. Dies ist ein Film über sie."
HARMONY KORINE
Da rennt selbst das geldgeilste Enkelkind schreiend davon:
Aggressives Bäckchenkneifen und schmutzige Kinderwangen mit Spotze säubern
sind noch die harmloseren Schandtaten des Kaffeefahrten-Klans!
PLOT-PROTHESEN:
Harmony Korine antwortete auf die Frage nach dem Ursprung der Idee hinter TRASH HUMPERS stets mit dem gleichen (wahrscheinlich fantasierten) Schauermärchen:
Angeblich wurde die kalifornische Kleinstadt in der er aufwuchs von einer Bande marodierender alter Senioren heimgesucht. Diese trieben sich bevorzugt auf den örtlichen Kinderspielplätzen herum und verbreiteten Angst und Schrecken. Mitten in der Nacht beobachtete der kleine Korine wie sich einige dieser "geilen, alten Säcke" über einen Haufen Müllbeutel hermachten.
Die Abfallreste wurden von den Senioren gnadenlos rudelgebumst. "Trash humping" eben!
Sichtlich traumatisiert von diesem Ereignis verarbeitete unser hirngebeutelter Harmony diese ganzen Eindrücke in seinem aktuellen (komplett auf VHS gedrehten) Machwerk.
Und dies ist dann auch schon alles: Der Film begleitet jene Rentner-Rasselbande bei ihren absonderlichen Streifzügen durch eine namenlose amerikanische Kleinstadt.
Da stellt sich einem zwangsläufig die Frage was nun perverser ist:
Einen Haufen Müll durchzupimpern oder einen visuellen Müllhaufen zu produzieren
der den Zuschauer fickt?
Das Baby war der einzige Beweis für ihre absonderliche Männerliebe...
Ihr blieb nichts anderes mehr übrig:
Alice Schwarzer musste sämtliche Spuren verwischen!

ABFALL-ANEKDOTEN:
Bevor wir zur Diagnose schreiten möchte ich noch eine kleine Anekdote zum Besten geben:
Mein werter Freund und Kollege der Gynalist, schon seit GUMMO großer Harmony Korine Fan der ersten Stunde, hatte sich vor fast 8 Wochen das vom Meister selbst gebastelte VHS-Unikat bestellt um sich danach volle 56 Tage wie ein Schneekönig darauf zu freuen und ständig aus dem Fenster Richtung Briefkasten zu spähen.
Letzte Woche war es dann endlich soweit und ich war persönlich anwesend um ihm die Hand zu halten weil er so aufgeregt und voller Vorfreude war das man es mit der Angst zu tun bekam.
Laut der TRASH HUMPERS Homepage und den darauf abgebildeten Bilder hat Harmony aus alten NTSC-Papphüllen mit viel Lack, Glitter, Sticker & Nippes die auf 300 Stück limitierten Cover gestaltet.
Inklusive Autogramm kostet der abspielbare "Restmüll" stolze 50 Pfund was aber für einen Fan & Sammler Ehrensache ist und außerdem sein Beitrag zum Support eines viel zu wenig gewürdigten Künstlers.
Als er das Teil schließlich in der Hand hielt schlug sein von Euphorie benebelter Blick urplötzlich in Misstrauen dann Angst gefolgt von Enttäuschung und zu guter Letzt Hass, um.
Während ich diesen Text hier verfasse zerbricht er sich den Kopf darüber wie er es anstellen wird Harmony Korine aufzuspüren um sein Geld von ihn zurückzufordern...
Geile alte Säcke: Kaum ist die Rente auf dem Konto
wird diese auf kürzestem Wege im Puff verprasst!
Was war passiert? Das die Ästhetik des vorliegenden Formats sich näher an Abfall als an Modern Art orientieren würde war ja abzusehen.
Ein Film der sich wie Trash-Recycle-Exploitation anfühlt ließ nichts anderes vermuten.
Das dann aber Korine´s Eifer und Einfallsreichtum dann beim Zusammenbasteln seiner 300 Einzelstücke gegen Ende rapide abnehmen würde war wohl vorher nicht eingeplant.
Es ist wirklich nicht untertrieben, aber das Tape das der arme Teufel abbekommen hat ist selbst im Kontext seiner Kunst als Zumutung zu bezeichnen.

Ein alte EVENT HORIZON Papphülle stand für Korine Modell und dieser hatte augenscheinlich keinen Bock mehr.
Das Cover ist lieblos mit 2-3 schwarzen Eddingstrichen schraffiert worden und auf dem Sticker sind weder Harmonies Initalien noch der Titel seines Filmes zu finden. Stattdessen werden wir von Laurence Fishburne und Sam Neill aus den Tiefen des Weltalls angestarrt während in großen hellen Lettern der alte
EVENT HORIZON
Schriftzug unter dem ganzen Kindergartenkrakeleifiasko prangert.
Die Rückseite ist noch im Originalzustand (also mit kompletter Inhaltsangabe von Paul W. S. Anderson´s Space-Gothik-Opera) und
auch sonst hatte der Artist keinerlei Lust seiner Kunst Ausdruck zu verleihen.
Verschwendung unserer Beiträge:
Matratzensport für Senioren wird
jetzt sogar staatlich gefördert...!


Tja, im Großen & Ganzen eine gelungene Performance in Sachen
"Abgesang auf ein altes lang geliebtes Format"...
den Witz findet mein Freund leider nicht lustig und reisst TRASH HUMPER immer ähnlicher...Armes Schwein!
Ich werde mir nun, in leiser Furcht vor Harmonies Unberechenbarkeit,
die UK DVD ordern und angsterfüllt zu den Mülleimern hinausstarren während ich mich auf die Fertigstellung meines alten He-Man Malbuchs konzentrieren, denn das hatte ich vor fast 20 Jahren in einem Anflug aus Lethargie und Unlust einfach in die Ecke geworfen um ein neues Projekt namens Masturbation zu starten...

DIAGNOSE:
Harmony Korine, ein Name der täuscht wie kein zweiter.
Eine Harmonie ist nämlich selten in dessen Werken auszumachen.
Nun da ich im Besitz der DVD bin und im Wissen das die TRASH HUMPERS auch noch als Blu Ray erscheinen werden, kann ich ruhigen Gewissens behaupten:
Letztendlich sind WIR der Müll der hier von Harmony Korine ordentlich durchgebumst wird...
Anscheinend hat der gute Mann nicht einmal mehr Lust seine "Ideen" in ein Handlungskorsett zu pressen...
Zugegeben:
GUMMO, JULIEN DONKEY BOY sowie MR. LONELY waren in ihrer Plotzeichnung,
mehr als nur vage...
Doch ich WAGE zu behaupten das es nur einen einzigen Grund gibt warum es TRASH HUMPERS überhaupt auf irgendeine Art von Abspielmedium geschafft hat:
Der Zuschauer soll dazu gebracht werden böswillig produzierten visuellen Müll selbstständig zu trennen!
Achtet dabei auf relevanten und redundanten filmischen Output!
Der ganze Rest gehört in den Sondermüll!
Ich kann an TRASH HUMPERS keine Stelle ausmachen an dem der "GRÜNE PUNKT" zu sehen wäre...
Bartel meint: Wer im Müll wühlt muss auch mit Scheisse rechnen!
Und selbst wenn: Wer trennt denn heutzutage noch Müll anhand seiner Auszeichnungen?

P.S.: Nach intensiver stasi-artiger Recherche bin ich auf ein Forum gestossen in welchem recht konstruktive Kritik gegenüber unseres typographischen therapeuthischen Ansatz geübt wurde.
Zitat Anfang:
Zitat Ende.
Dem bleibt eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ende der Kommunikation!

Sonntag, 1. Mai 2011

Twentynine Palms (2002)

PALMEN WEDELNDER LOAD-MOVIE NIHILISMUS
FAHRVORBEREITUNGEN:
Als mein werter Kollege Prof. Adalbert auf die Idee kam eine Woche dem Thema "Straßenfilm" zu widmen hatte ich nichts dagegen einzuwenden bot sogar an, der gesamten Reise als eine Art menschliches Nörgel-Navi beizuwohnen.
Natürlich, Mann warum auch nicht! Ich bin dabei! Ich mach sowieso alles mit!
Da ich die letzten 25 Jahre damit verbracht habe mich als passionierter Mitläufer in meinem sozialen Umfeld zu betätigen, und nie auch nur ein "Danke." daür erhalten hatte, war jetzt endlich die Zeit gekommen einen Neuanfang zu wagen:

Nach all der langen Zeit, in der ich versucht hatte mit meinen fahrzeugpapierbesitzenden Mitmenschen Schritt zu halten, bat sich mir in den kommenden 7 Tagen, die Möglichkeit mich zum "passiven Beifahrer" umschulen zu lassen. Solange meine Rückenlehne verstellbar und ich nicht für die manuelle Kartografierung der Strecke verantwortlich war, sollte es mir recht sein.
Falls mein Chauffeur auf die dumme Idee käme mich zu fragen ob ich ihn, aus Gründen der nach langen Fahrten auftretenden Erschöpfung, am Steuer vertreten könnte, hätte ich die ideale Ausrede parat:
"Aber ich besitze doch gar keinen gültigen Führerschein!"
Nun gab es nur noch ein Problem:
Das Genre des "Straßenfilms" war mir genauso unbekannt wie die Herkunft der Bremspuren in meiner Unterhose! Sollte der Anblick des verdreckten Stücks Gummi und Stoff zwischen meinen Beinen eventuell ein Fingerzeig in Richtung David Cronenberg´s CRASH sein? Braun? Gelb? Die Farben der Wüste!Nach diesem Gedankenblitz entschied ich mich ganz klar für Bruno Dumont´s nihilistisches Load-MovieTWENTYNINE PALMS in welchem zwar mehr gevögelt dafür aber noch weniger geredet wird als in Cronenberg´s fahruntüchtigen Filmfetisch CRASH.
"Ice, ice baby to go..."
Wer Flecken auf den neuen Ledersitzen seines Wagens vermeiden will
sollte den Rest des Weges zu Fuß laufen...

INHALT:
Eine inhaltliche Wegbeschreibung zu Dumont´s TWENTYNINE PALMS zu entwerfen gestaltet sich in
etwa so schwer wie einen Autisten dazu zu bringen
die Tischrede für einen gesellschaftlichen Anlass zu verfassen.
Der Inhalt definiert sich eher durch dessen vollständige Abwesenheit.
Wir begeben uns auf eine Reise in absolute Inhaltslosigkeit die gelegentlich von Körper- und
Landschaftsbildern gebrochen wird.
Irgendwelche Emotionen? Nicht das ich Wüste! In derselbigen spielt sich auch der gesamte Film ab.
David Guettas amerikanischer Doppelgänger David Wissak der die Rolle des Fotografen David spielt,begibt sich mit Katja seinem Mädchen, das für ihn gleichzeitig als Model und Muse fungiert (und die kein Wort Englisch spricht) in die Ödnis des kalifornischen Outbacks auch Twentynine Palms genannt.
Wem im letzten Satz die kryptische Verwendung der drei D´s und drei M´s auffiel ist übrigens selber schuld und wahrscheinlich ein hoffnungslos studierter Analytiker.
Auf der Suche nach einem passenden Bildmotiv, passiert den Beiden soviel Nichts das ein
aggressives Praktizieren des Beischlafs die einzige Möglichkeit ist, sich selbst und den Zuschauer, vor dem Einschlaf zu bewahren! Längere, unangenehme Gesprächspausen versucht das Weibchen mit dem gebetsmühlenartigen Wiederholen der einzigen Fetzen Französisch die sie beherrscht, zu füllen:
"Je t´aime!"
Dies wiederum wird vom Männchen mit einem stetig wachsenden Unwohlsein quittiert welches ständig in plötzlichen Hasstiraden gipfelt:
"Du mich auch!"

"Kannst du dich daran erinnern wo wir den Wagen abgestellt haben?"
"Nicht, das ich Wüsté!"

INTERPRETATION:
Das alte Spielchen das Mann und Frau einfach nicht miteinander können wird hier auf die Spitze getrieben!
Eine der wenigen Sätze die in dieser emotionalen Leere gesprochen werden ist folgender:
"Manchmal sagst du was und dann genau das Gegenteil.
Und ich weiß nicht was du eigentlich willst. Wir reden völlig aneinander vorbei!"
Diese gesprochene Weisheit würde TWENTYNINE PALMS zu einem perfekten Date-Movie machen,aber dafür fehlt ihm dann in letzter Instanz doch die Romantik.
Wer dieses Gefühl nicht kennt, der darf sitzenbleiben und sich weiterhin in optimistischer Schönmalerei üben! Statt emotionale Ursachenforschung zu betreiben, ficken die Beiden die aufkeimende Sinnlosigkeit in Grund und Boden.  
"Fuck the pain away", wie es Peaches einmal so schön formulierte.
Doch leider kehren diese Negativgefühle nur noch häufiger und mit stärkerer Heftigkeit zurück! Es kommt wie Er kommen muß!
Als das Männchen nicht mehr kann und das Weibchen nicht mehr will, ist dies gleichbedeutend mit deren existenzialistischer Ausradierung.
Wer nicht ficken will muß fühlen. Schnell weg hier!

Wer es vergisst seine Triebfeder regelmäßig zu ölen, wird früher oder später durch deren Quietschen in den Wahnsinn getrieben!

         ER: "Willst du jetzt mitfahren oder nicht?"
         SIE:"Nein! Jetzt hab ich auch kein Lust mehr!"
          FRAUEN: Die mysteriösen Verkehrsteilnehmer...

ANALYSE:

LANDSCHAFT:
Wüste, Sand, Steine und nacktes Fleisch.
Die Landschaft spiegelt die Gefühlswelt derer wider, die durch sie reisen (Achtung Sinnbildalarm!).
Durch die meditative Wiederholung der immer gleichen Naturaufnahmen entwickeln diese eine ähnlich hypnotische Sogwirkung wie der Anblick des Playboy-Magazins auf der Toilette
eines Jungeninternats oder die Diavorführung von Oma´s letzter Kaffeefahrt.
Rein geografisch betrachtet wird hier der Joshua-Tree-Nationalpark durchquert dessen Anfang sich in der Ortschaft Twentynine Palms befindet.
Die leeren Ebenen der Mojave-Wüste gehen dort in die massiven Felsformationen
der Colorado-Wüste über. Dieser Übergang lässt sich auch leicht in der Bildsymbolik festmachen.
Nährt sich die Zwangsbeziehung von Männchen und Weibchen anfangs noch an ihrer brutal praktizierten tierischen Sexualität, verhärten sich die Gefühlsfronten des Geschlechterkriegs mit Ankunft in der Colorado-Wüste.
Durch gewalttätiges Auftragen von Knutschflecken im Hals und Nackenbereich verwandelt sich das Männchen in eine Art Redneck um sich dem tristen Landeskolorit anzupassen.
Wer hier ohne Karte weiterfährt und noch dazu ständig seine Filmhochschulkurse geschwänzt hat, fühlt sich bald verlorener als ein popcornfressender Blockbusterprolet auf einer Godard Retrospektive.
"Puhh,...das war knapp! Um ein Schamhaar hättest du mich vom Felsen gevögelt!"
"Keine Angst, ich halt dich doch fest!"

VEHIKEL:
Das Zelebrieren seines Minimalismus wird in diesem Punkt lustigerweise gebrochen.
Bei der Wahl des Fortbewegungsmittels wird geklotzt statt gekleckert.
Der Tank des Vehikels schluckt innerhalb der Spielzeit ungefähr doppelt soviel wie die weibliche Protagonistin des Films. Die Rede ist vom berüchtigten Hummer Geländewagen.
Der Treibstoffverbrauch dieses motorisierten Monsters mit militanter Vergangenheit lässt sich auf unberrechenbaren Wüstengelände ähnlich kontrollieren wie eine Gruppe übergewichtiger Mongoloider beim Erlebnisausflug in die Schokoladenfabrik.
Die Schaltung lässt sich ganz einfach von manuell auf triebgesteuert umschalten weswegen sich der Hummer als der ideale Wagen für einen schnell vollzogenen Geschlechtsakt während der Fahrt anbietet. Übrigens war Arnold Schwarzenegger der erste Zivilist der einen solches Gerät sein Eigen nennen durfte. Das tut hier zwar nichts zur Sache ist aber eine genauso nette Anekdote wie die Tatsache das ich von Autos keinen blassen Schimmer habe, geschweige denn je ein Steuer in der Hand hatte. Ach ja, ein Pick-Up Truck kommt auch vor.
Die Genreerfahrung hat uns gelehrt, dass die Fahrer solcher Vehikel nichts Gutes im Schilde führen.
Auch TWENTYNINE PALMS macht hier keine Ausnahme:
Die Konfrontation beider Fahrzeughalter führt schnell zu finaler Fahruntüchtigkeit!
Selbst die offene Zurschaustellung seines Seepferdchen-Abzeichens
beeindruckt diese fies-feuchte Seekuh nicht...
WEGGEFÄHRTEN:
Sexuell wird hier jeder von allen möglichen Seiten genommen.
Die Darsteller sehen dementsprechend mitgenommen aus.
Fahrtechnisch allerdings wird niemand mitgenommen (abgesehen von der guten Laune des Zuschauers...).
Dementsprechend benommen fühlt man sich nach Ende des Films, das von Bruno Dumont trotz dervorangegangenen Langatmigkeit ordentlich gegen den Strich gebürstet wurde.

MUSIK:
Der wohl orgiastischte Soundtrack der Saison!
Neben der beeindruckend vertonten Stille sind es wohl die extrem basslastigen sexuellen Saftgeräusche die lautstark-lechzend durch die 5.1. Speakern aus- und in die Ohrlöcher eindringen.
Ansonsten findet auf der Tonspur eine Akkustikorgie statt, die auf totale Hirnpenetration aus ist.
Keuchen, Stöhnen, Kreischen, Schreien, Wimmern, Jauchzen, Jaulen und Stänkern...
Wer nicht hören will muss fühlen!
SEIT GEWARNT!
Der Film beinhaltet einen solch fiesen Tonschock das sogar Hirnlappengelähmte vom Stuhl fallen!

REISEMOTIV:
Die anfängliche Suche nach einem geeigneten Fotomotiv vor minimaler Naturkulisse weicht bald der intensiven Analyse des Geschlechtsverkehrsaufkommen während der Stoßzeiten.
Ergebnis der Feldstudie:
Je höher die Verkehrsdichte desto unaufmerksamer deren Teilnehmer. Verkehrte Welt


Flora und Fauna der Wüste:
Das sexuelle Trockenbeet

DIAGNOSE:
Anfangs noch Romantic Comedy ändert der Film bald seine Route, schlenkert schlanglinienförmig zwischen Geschlechterporträt und Porno hin & her um und beendet die Reise als eine Art erotische Torture-Tragik mit finalen Zwangs-Outing.
TWENTYNINE PALMS fühlt sich für ein Männchen an als ob es gegen seinen Willen von einem
ehemals geliebten jetzt aber seltsam fremdgewordenen, unfreundlichen Menschen 29 Mal einen von der Palme gewedelt bekommt!
Dementsprechend fühlt sich der Film für ein Weibchen an wie....ähhhm...Moment einmal:
Haben Frauen überhaupt Gefühle?
Ende der Reise.

P.S.: Wieso der New Yorker diesen Horrortrip als "zärtlich" empfindet, bleibt mir schleierhaft. Allerdings war der durchschnittliche New Yorker auch noch nie in der Wüste...