Donnerstag, 28. April 2011

Vanishing Point (1971)


Vanishing Point (oder "Mit einem Brand gegen die Wand")

1971: Nachdem Easy Rider zwei Jahre zuvor eingeschlagen hatte wie eine Bombe, versucht diesmal Richard C. Sarafian in seinem Werk einen Einzelgänger durch die USA zu schicken. Der Held sollte aber auf dem Sitz eines Muscle Cars die trockenen Ebenen entlang reisen und nicht im Freien, sondern gar nicht schlafen.


Inhalt:
Kowalski's Leben ist ein kunterbuntes Sammelalbum für Klebebilder des Versagens. 
Er ist geprägt durch Impressionen aus dem Vietnamkrieg, einem schlechten Führungszeugnis aus einem Job als Cop und diversen Erfahrungen als Rennfahrer. Nachdem all diese Einkommensquellen ausprobiert wurden und doch keine lang anhaltenden Anstellungen mit sich brachten, entscheided sich der begabte Fahrzeugführer zur Karriere als Autoschieber.

Seine aktueller Auftrag ist es, einen weißen Dodge Challenger R/T von Denver (nicht Danver...) nach San Francisco zu fahren. Für eine Strecke von etwa 2000 Kilometern, hat er aber nur 15 Stunden Zeit. Um pünktlich anzukommen, muss er sich mit Speed-Tabletten wach halten und die Leistung seines Bulliden bis zur höchsten Drehzahl ausreizen.

Das stinkt der Polizei natürlich gewaltig.
Nachdem anfangs eher wenige Beamte den günstigen Windschatten nutzen, verfolgt gegen Ende des Films ein unglaubliches Aufgebot den Speedfahrer. Das amerikanische Volk (vor allem Hippies und gesellschaftliche Aussenseiter) bekommt das riskante Unterfangen per Radio mit, feiert den Helden und hilft ihm wo immer es nur kann.


Interpretation:
Typisch (für einen gelungenen) Road Movie, entspringt Kowalski aus einer Schicht von Liberalen, Hippies und Outlaws. Doch er wurde nicht frei geboren: nachdem er irgendwann einmal dem Staat gedient hatte, versuchte er sich auf einem akzeptierten Spielfeld der Amerikaner - der Rennstrecke.
Wochenlange Etappen von exzessivem Amphetaminkonsum, brachten ihn aber von der Strecke ab oder sogar zum Fall von seinem Motorrad. Um nicht auf den Wachmacher verzichten zu müssen, gleichzeitig aber den Rausch der motorgetriebenen Geschwindigkeit zu erleben, bricht er mit der Gesellschaft und findet seine Erfüllung hinter dem Lenkrad - als Autoschieber.
Nun muss er nicht mehr auf Startschüsse warten und vorgegebene Markierungen abfahren, sondern kann das Gefühl der Freiheit, sogar ohne lästige Schlafunterbrechungen, auf den weiten Straßen Westamerikas genießen.

So sehr Kowalski das Establishment auch hasste -
sein Glaube zwang ihn zur Teilnahme am Recyclingprogramm.
Der Rebell findet unter seinesgleichen viele Anhänger und Dealer, nachdem die Geschäftsreise über das Radio bekannt wird. Das Sendeprogramm wird von einem blinden Schwarzen gesendet und findet seine Anhänger unter verschiedenen Freiheitsliebenden. Also, entsprechend Zuhörer und Produzent für die damalige Zeit, eine Sendung von gesellschaftlich Nicht-Akzeptierten, gemacht für eben solche. Die Zuhörerschaft wächst stetig an, sodass Kowalski Unterstützung und günstige Kurse widerfaren, wo auch immer er hinkommt oder ins Radioprogramm hört.
Üblich für das Genre und die damalige Zeit, wird die Polizei als unterdrückender Machtapparat mit rassistischer, kalter und brutaler Einstellung dargestellt. Es scheint als würden die Cops dem Sportwagen folgen, ohne einen triftigen Grund zu haben - hauptsache festnehmen und Macht demonstrieren.
Doch so sehr sie sich auch abmühen, der Fahrer des Gefährts ist mit allen Wassern geölt. Auf kreative Art und Weise entkommt er ständig den Fängen des Staates. 
Insgesamt könnte die Reise durch die Wüstenlandschaft Amerikas, als Erfüllung des Freiheitswunsches interpretiert werden, welche vom Establishment aber behindert wird. Die Polizei will ihn wieder zurück auf die Straßen des Gesetzes bringen und ihn mit angemessener Geschwindigkeit der breiten Masse hinterherdackeln lassen.


Analyse:

Als die Aufputschmittel an Wirkung verloren, konnte Kowalski
sich nicht mehr daran erinnern, wo er die Straße vergraben hatte.
Landschaft:
Der Film führt den Zuschauer durch die trockenen Ebenen Westamerikas. Einsame, sandbedeckte Straßen führen stets auf den Horizont, der unendlich weit entfernt zu liegen scheint. Sowohl Panoramaaufnahmen, als auch von weiter Distanz geschossene Bilder vom weissen PS-Bomber im ewigen Sand, lassen den gefesselten Zuschauer so tief in die Wüste eindringen, dass Schwitzen und Stinken vorherprogrammiert ist - Road Movie in Rohformat!

Vehikel:
Der Dodge Challenger R/T ist ein Paradebeispiel eines amerikanischen Auto-Klassikers. Der Bullide ist genauer unter die Spezies der Pony Cars einzuordnen, die etwas kleiner - somit leichter sind, aber gleichzeitig über einen leistungsstarken Motor verfügen.
Das Glanzstück dieses Films hatte einen 7,0 Liter Hemi-V8 Motor verbaut, der eine Leistung von 425 PS brachte. Das Motorengeräusch brummt unwahrscheinlich grandios und der Auspuff dürfte die Schallwellen sogar bis in die entlegensten Flecken der Wüste drücken.
Damit ist klar, warum Kowalski keine Lust mehr auf gesunden Schlaf hat und lieber seinen Fuß auf dem Gaspedal ruhen ließ.
Weggefährten (SPOILER):
Auf seinem Trip lernt Kowalski einen Schlangenfänger und überzeugten Freund von Kautabak kennen. Wenn dieser nicht gerade spuckt oder sich braunen Siff von den Lippen putzt, kann er auch Benzin in der Wüste ausfindig machen oder mit einer Technik - die nahezu militärisch perfekt wirkt - Autos verschwinden lassen.
Zum Schluss gibt er dem Fahrer noch eine Wegbeschreibung, die eher dessen Leben eine Richtung gibt, als dem Lenkrad des Challengers - war aber nett gemeint. Ein Wirklich netter Kerl!

Die nächsten Reisesouverniere sollen zwei Opfer einer Autopanne werden. Ihr Auto steht augenscheinlich funktionsunfähig am Straßenrand und trägt ein "Just Married"-Schild.
Im Vorbeifahren erblickt der übermüdete Kowalski eine große schlanke Person und hält sie wahrscheinlich für weiblich. Nachdem er angehalten hat und die Fremden einsteigen lässt, zeigt sich sein Fehler: ein großer, extrem schlanker und offensichtlich homosexueller Mann, sowie ein kleiner, dicker und klischeehaft gekleideter Kinderschänder steigen in das Auto.
Kaum beschleunigt das Auto, fängt der Schwule an zu zicken. Als Kowalski lächelt und damit das Gefühlsfass des Großen zum Überlaufen bringt, packt dieser eine Pistole aus. Erquickt von dieser bedtohlichen Situation, wird auch der Kinderschänder heiß: er packt Kowalski an den Haaren und nennt ihn 'Mary'.
Der Fremdenführer bleibt cool und kann aufgrund seiner schnellen Bewegungen, dem Schwulen einen Fingernagel, dem Pädophilen seine Rapist-Brille brechen. Damit ist zumindest ihre Fahrt vorbei.

Nur der Sonnenbrand konnte sie dazu überreden,
in Zukunft Schulterpolster zu tragen.
Der Dritte Weggefährte ist ein Biker auf einer schönen Harley Davidson. Muscle Car und Chopper fahren nebeneinander, während Kowalski den wahrscheinlich faszinierendsten aller Drive-Ins erlebt: den Highway-Speed-Shop.
Kraftrad-Hippie zeigt ihm kurz später seine Bude, die von einer nackten Frau auf einem Motorrad umkreist wird. Kowalski merkt bald, dass er diese Frau schon kennt. Als sie noch Klamotten getragen hatte, rettete er sie vor der sicheren Vergewaltigung. Als er aber sieht, was aus ihr geworden ist, bekommt er ein Magengeschwür und muss erst mal eine rauchen.
Anschließend hat der Biker eine solch brilliante Idee, die Polizeisperre zu umgehen, das jegliche, noch so wohlwollende Beschreibung meinerseits, einen Spott für das Genie des Bastlers darstellen würde.


Musik:
In Vanishing Point wurden Musiktitel gewählt die zwischen Rock und Country anzusiedeln sind. Neben Einspielungen des oben erwähnten Radio Moderators, kann der Zuschauer zum Beispiel auch ein Hippie-Livekonzert besuchen. Die Auswahl ist gelungen und verbreitet Stimmung - entweder stellt sich der Zuschauer einen Country Line Dance vor oder genießt das Live Konzert im Hippie Camp.

Reisemotiv:
Ein Auto, wahrscheinlich aus einem krummen Deal erstanden, muss in Windeseile von Denver nach San Francisco gebracht werden. Dazu kommt ein niedriger Speed-Preis, der eine Reise dieser Art erst möglich macht.
In Kombination ist beides ein plausibler Grund, sein Gewissen auszuschalten und total dicht, 2000 Kilometer quer durch Amerika zu reisen.


Diagnose:
Das Ende aller Reizüberflutung...
Vanishing Point steht seinem Vorgänger Easy Rider in nichts nach!
Ein Road Movie im Urformat. Heisses Wetter, weite Wüste und ein Klassiker der Automobilgeschichte.

Wer den brachialen Ton einer 7 Liter Maschine, Stunts auf sandigen Highways oder einen dauerdichten Schauspieler erleben will, ist mit Vanishing Point gut beraten.

Die Handlung ist bewusst dünn gehalten. Dafür weist der Film andere Perlen auf.
Es gilt ganz klar: der Weg ist das Ziel. Und in diesem Fall sollte man auf jeden Fall mitreisen!


Mittwoch, 27. April 2011

Interstate 60: Episodes of the Road (2002)


Interstate 60 (oder „Beverly Hills 60“)
Bob Gale fand Road Movies irgendwie gut und entschied sich 2002 dazu, einen Film zu veröffentlichen, in welchem er sich erst mal Freiheiten nimmt, um dann einen künstlerisch und moralisch wertvollen Meilenstein zu legen. Nachdem er eine gute Crew und bekannte Namen zusammengestellt hatte, scheiterte er an seinen Fähigkeiten. Meiner Meinung nach ist ihm sehr wenig gelungen.
So bepisst sein Film das Road Movie Genre, in dem es neben Identitätsfindung auch um Lebensgefühl und Freiheit geht und ist eine Beleidigung für all die
runtergerockten "Auf-die-Kacke-Hauer" die in anderen Filmen für Ideale gekämpft haben und ihre Leben lassen mussten.


Inhaltsangaben
Der Film beginnt mit einem kurzen Auftritt von Michael J. Fox, der nicht in bunten 80´s Klamotten und einem Hoverboard auftritt, sondern edel im Anzug einen Fremden rettet. Dieser sollte vom Laster überfahren werden, wird aber noch vor dem Tod gerettet. Diese Aktion muss Fox mit einem beschmutzten Hemd bezahlen. Er wünscht sich, dass der Laster ihn nicht bespritzt hätte – fatal!

Der Typ der vor dem Kraftwagen gerettet worden ist, heißt O.W. (One Wish) und gewährt Leuten einen Wunsch der sicher in Erfüllung geht. Also geht in dem Film die Zeit zurück, die Szene beginnt wieder gleich – doch endet sie anders. Anstatt das Hemd mit Straßenschlamm zu bespritzen, wird nun Michael J. Fox überfahren.
Neil Oliver wird 22 und lernt auf der Geburtstagsfeier O.W. kennen, als dieser mitbekommt, was der Milchbubi sich wünscht: „eine Antwort für sein Leben“.

"Ich glaub mich raucht der Affe! It´s old, man!"
Für genügend Geld pafft Gary nicht nur Affenarschhaare aus der Schimpansenschrumpfschädelpfeife
sondern macht sich auch noch zu einen...



Das Karma wirft dann dem Pomadenhengst einen Eimer auf den Kopf und bringt diesen ins Krankenahaus. Dort schiebt er einen Mega-Film, welcher sich als Kernpunkt der Handlung rausstellt.

Ab diesem Zeitpunkt, checkt der Adonis mehr oder weniger im Traum auf der fiktiven Route 60 herum und muss ein Paket nach Danver (nicht Denver) bringen, wo auch seine große Liebe sitzen soll. Er kommt in immer neue Städte und Regionen, deren Zukunft durch den Sunnyboy stets beeinflusst wird.In dieser Review wird aber schon so viel gespoilert, dass die Begegnungen nicht auch noch erwähnt werden sollen.

"GUCK MAL GARY! Das ist mein Freund die Kugel!
Ich glaube er will uns sagen das wir einen Achter im Reifen haben!"

"Bitte halt dein Maul du Hackfresse und fahr weiter!
Die einzige Kugel die ich sehen will, ist die in deinem Kopf!"


Sein treuer Begleiter (und Gesprächspartner) ist dabei stets ein riesengroßer Billardball – klischeegemäß die schwarze Acht. Diese gibt ihm immer eine Antwort, was er sich ja zum Geburtstag gewünscht hatte und ist
gleichzeitig eine Anspielung auf ein beliebtes Laster der feinen Gesellschaft:
Der urbane Slang umschreibt mit einem "eight ball" eine bereits abgepackte, verkaufsfertige Menge von Kokain. Wahrscheinlich kam unser High-Society-Depp erst durch ausgiebigen Konsum dieses Marschpulvers auf die gewagte Idee, er wäre zu irgendetwas Höherem berufen als seiner simplen Existenz als Friseurmodell.

Letztendlich läuft seine Reise darauf hinaus, am Ende entweder den Auftrag zu erfüllen und seiner Billardkugel zu folgen oder seine große Liebe zu behalten und entgegen des Rates eines Plastikballs den eigenen Weg zu gehen. So muss er die Billardkugel in den Sand setzen und selber eine Antwort finden.
Zwar wollte er immer gesagt bekommen, was er zu tun hat, aber so wird auch das Schmalzlökchen zum Mann.
Wie auch immer - er erwacht aus seinem Traum und weiß dann was er mit seinem Leben anzufangen hat…


Interpretation

Der Regisseur hat sich für einen Roadmovie - entgegen den etablierten Road Movie Regeln - einen Schönling geholt, der nicht aufgrund seiner Rennkarriere oder kriminellen Vergangenheit zu einem Status gekommen ist. Viel mehr ist dieser Schauspieler ein Random-Metrosexueller, der mehr Wert auf seine perfekt sitzende Frisur legt, als auf eine Entscheidung bezüglich seiner beruflichen Zukunft.
Der Vater - ein mächtiger Wirtschaftsmogul - will, dass Sohnemann in sein Unternehmen einsteigt, doch Bubi weiß nicht so recht ob er zum Kapitalistenschwein werden will. Nein, eher anders, bevorzugt er den Pinselstrich. Sowohl mit Acrylfarbe auf Leinwand, als auch mit Schminke auf seiner Haut. Neil Oliver sieht, bevor ins Krankenhaus kommt, noch ein Plakat mit der Nymphomanin aus Crank, welche er gerne bei einem Pferderennen durchnehmen würde. Diese findet er dann im Frauenknast wieder (aufgrund seines zarten und gepflegten Aussehens, war die Eingliederung in den Männerknast unmöglich). Sie kennt ihn zwar noch nicht, findet ihn aber nach der ersten Vorstellung ganz sympatisch. Wie die Geschichte ausgehen wird, kann man sich als Hollywood-Mainstream-gef*ckter schon denken.
"Aber Mama, du hast mir immer erzählt mein Gesicht wäre abwaschbar!"
Die Reise auf der Route 60 führt ihn mit seinem – zumindest für Deutsche – Standardvehikel der Mittelklasse, einem BMW Cabrio Compact. Der Fatzke steht zwar nicht auf die rote Farbe des Wagens, allerdings passt diese ganz gut zu seinem Aussehen. Als Regisseur hätte ich aber die Gedanken bis zum Ende geführt und ihm eine Schweinchen-rosa Lackierung verpasst – und freilich Plüschhandschellen unter dem Rückspiegel installiert.
Im Endeffekt ist der Film eine Reise durch das Innere des Protagonisten - eine Abhandlung seines Unterbewusstseins. Nach der Fahrt auf der Route 60, gewinnt der Schönling an Selbstvertrauen und ist fähig den Weg einzuschlagen, welchen er sowieso schon die ganze Zeit wollte, aber bisher nicht den Mut aufbringen konnte. Das paradoxe ist aber die Ausführung der Rebellion: der Knabe der Vati’s Lebensstil nicht so hip findet, lässt es sich mit dessen Kohle gut gehen und fährt den Wagen, den er zum Geburtstag bekommen hat. Die Benzinrechnung dürfte auch an den alten Herrn gestellt werden.

Die einzige Chance, die ich noch sehe, ist eine Neuverfilmung. Hier kann der nächste Regisseur den pubertären Aufstand vielleicht mal konsequent umsetzen: der Lackaffe, der des Vaters Wagen nicht haben will, soll gefälligst zu Fuß laufen…



Analyse
Landschaft:
Entgegen dem Roadmovie Standard, fehlt hier weitestgehend die Verherrlichung der weiten Wüstenebenen und massiven Canyons. Zwar fährt der Protagonist durch schöne Gebiete, allerdings filmt die Kamera meist die Frisur des Playboys. Tja, da hatte man sich als Road Movie Freund wohl mehr erwartet.

Vehikel:
Für mich gehört zu einem Road Movie ein antikes Stück Mechaniker-Historie. Legendäre Motorräder der Marke Harley und einem Custom Tuning wie zum Beispiel in Easy Rider oder Amerikanische Muscle-Cars mit ihrem dröhnenden Motorenlärm, Benzinhunger und anti-europäischer Optik. Diese bringen dann auch das Feeling des ‚Besonderen‘ und wissen gut zu gefallen. In Interstate 60 allerdings, fährt der Neil mit einem durchschnittlichen BMW durch die Gegend, den sogar Angehörige der Multiplen Filmstörung besitzen. Sicherlich, der bayrische Motorenhersteller macht grundsolide Autos, die sich wunderbar fahren lassen und wirklich qualitativ produziert worden sind. Allerdings würde ich mir für eine Amerika Reise ein Auto oder Motorrad leihen/kaufen/klauen, dass außergewöhnlich ist – sowohl optisch, als auch unter der Haube. Tja, da hatte man sich als Road Movie Freund wohl mehr erwartet.

Weggefährten:
O.W. ist der erste und lange verweilende Wegbegleiter. Klassisch mitgenommen: am Straßenrand, mit gehobenem Daumen. Er erzählt ein paar Sachen, aber die Rolle als Dschini wurde oben bereits ausreichend beschrieben und muss hier nicht mehr weiter erklärt werden.
Der zweite zustoßende Mitreisende ist eine hübsche Frau. Keiner kennt sie und ihr Leben ist auch nicht wirklich interessant – so wird das Gelaber auf ein Minimum reduziert und sie packt ihre große Kondom Sammlung aus. Kurz vor dem Gangbang, zeigt aber O.W. seinen anscheinend schrecklich hässlichen Penis, was zum Ekel der Wanderhure führt und zu dem Verlust einer optisch anreizenden Gallionsfigur.
Nicht so hübsch ist die dritte Mitfahrerin. Eine Mutti, die eigentlich nur ihren drogensüchtigen Sohn im Kopf hat. Dieser Affe hat Zucker bekommen und ist nur noch unterwegs. Dies in einer Stadt, in der alle unterwegs sind und die Droge sogar legalisiert worden ist. 
Alle haben ihre Zuckerstangen in der Hand (diese sollte jeder aus seiner Kindheit kennen) und konsumieren stets. Die Aufnahme der Glucose führt strikt zu einer Euphorisierung und lässt alles Negative vergessen. Coole Sache, wenn man bedenkt, dass sich jedes Kind für 20 Cent in einem Lotto-Totto Laden eindecken kann.
Der vierte Begleiter ist ein augenscheinlicher Business-Man. Kaum eingestiegen, packt er einen Vertrag aus, der dem Driver aber nur Gutes bringt. Während der Fahrt fällt dann auf, dass er einen Wahrheitstick hat und extrem Wert auf das Gesagte legt. Als ein komischer Penner herum lügt und das eigentlich für Essen erbettelte Geld, dann für Alkohol ausgeben will, zeigt der Beifahrer was in ihm bzw. unter seiner Jacke steckt. Ein Bombengürtel, mit dem er die Integrität oder Aufrichtigkeit der Mitmenschen erpresst. Zwar mag dies erschreckend wirken, aber verschiedene Extremisten haben bereits bewiesen, dass ihr Mangel an Eloquenz auch durch einen Überschuss an Sprengstoff ersetzt werden kann. Ein netter Gag, um seine Meinung durch zu boxen, aber als Charakteristikum wirkt dies ziemlich arm.
Der letzte Follower, ist dann die Blüte aus den Träumen des Protagonisten, bzw. an den Plakaten der Strassenecke. Auf der Reise passiert recht wenig, deswegen wird hier nicht mehr viel  Handlung beschrieben.
Erwähnenswert ist allerdings, dass die Frau an der frischen Luft und im Sonnenschein besser aussieht, als in dunklen Räumen. Den gegenteiligen Effekt mag man aus der Szene kennen, in der das Licht noch rot scheint und die Atmosphäre eher schmuddelig ist. Dieser inszenierte Kontrast ist sicher so gewollt, das Mädchen wird als etwas Besonderes hervorgehoben. Dies ist einer der wenigen Erfolge in diesem Film.

"Bitte sei jetzt nicht böse Kugelkumpel! Ich hab dich doch auch lieb!
Wir können ja mal versuchen ob du auch in eins von ihren lustigen Löchern passt!
Und wenn das nicht klappt schlagen wir ihr zusammen den Schädel ein, versprochen!"


Musik:
Die Musik in diesem Film ist auf keinen Fall erwähnenswert. Drei Titel werden genannt, dies reicht um ein umfassendes Bild zu erstellen: „Broken Heart For Sale (Heather Myles)“, "Daily Life (Lee Chu Kiong)“ und „Everything In The World (Starling )". So 08/15 wie ihre Titel, sind auch die Stücke. Keine ‚funky sounds‘, kein Rock Feeling, keine Hippie-Konzerte – so Mainstream wie der Film ist auch die Auswahl des Scores.

Reisemotiv:
Kein Krummer Deal und keine Flucht vor amerikanischen Cops. Nicht Ausbruch aus den engen Fängen der Gesellschaft oder die Suche nach Freiheit sind der Impetus der Reise. Nein, in diesem Streifen spielt die pubertäre Rebellion gegen Vaters Wille die Hauptrolle.
…„Der folgende Film ist nicht geeignet für Zuschauer über 16 Jahren“…



Diagnose
Anstatt unbequeme Wege zu beschreiten/befahren, die vielleicht weitaus prägendere Erfahrungen zu bieten hätten, bleibt sowohl Film als auch Protagonist stur, wie auf Navi programmiert, auf der Mainstreet, also auf der Autobahn des Hollywood Mainstreams. 
Auch ist die Moral nicht unbequem wie eine enge Parklücke, sondern wird hollywoodkonform für Jedermann verständlich serviert. Würde man diesen Film mit anderen Road Movie Perlen vergleichen, könnte der Rezensent meinen, von einem Oldschool-Bulliden ohne Servolenkung auf einen VW Fox mit automatischer Einparkhilfe umsteigen zu müssen.
Für Filmliebhaber, die sich einen Deep-Feeling Film erwarten, dürfte dieser Film ein Hieb in die Klöten darstellen. Für Liebhaber des Popcorn Kinos oder Zuschauer schmalspurigen Geistes, welche Erfüllung darin finden, die einfachsten Zusammenhänge zu verstehen, könnte dieser Film eine Genugtuung sein.
"HÄÄÄÄH? Kugelkoma? Alles nur geträumt?
WIE? Mein Papa hat mich geschwängert? WAS?
Aber ich hab doch "Eight Ball" versprochen
das wir Urlaub im Kugellager machen!


Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich der Bitte eines sehr guten Freundes, den Film nicht zu schlecht wegkommen zu lassen, leider nicht folgen konnte. Die erste oberflächige Sichtung, ließ den Film als Hollywood Produktion fast noch neutral im Geiste zurück. Die zweite, nun kritisch-analytische Auseinandersetzung, zeigte aber, dass noch weniger Inhalt geboten wird als vermutet. 
Wer zum Teufel hat den Film auf IMDB geratet?

Montag, 25. April 2011

Easy Rider (1969)


Easy Rider (oder "Hobo with no gun")

Im Jahre 1969 brachte Dennis Hopper eine Perle des Road Movie Genres heraus. Easy Rider polarisierte die Gesellschaft Amerikas. Einerseits waren Zuschauer durch das Freiheitsgefühl und die Lust auf Abenteuer inspiriert, andererseits verkrafteten die Kautabak kauenenden, geistig maximal lokal beschränkten Südamerikaner die Gesellschaftskritik nicht und reagierten sehr uneasy. Vielleicht war dies der Grund, warum der Film um zwei lockere Biker so viel Popularität erlangen konnte und das Hollywood Business nachhaltig verändern sollte.

Wyatt: "Cowboys tragen keine Sonnenbrillen!"
Billy: "Captain America nimmt kein LSD!"
Identitätskrisen und Ehestreitereien eines individuellen Pärchens.
Nach einem Kokain Deal packen Wyatt und Billy die Geldscheine, zusammengerollt in einem Plastikschlauch, in den Tank von Captain America. Auf der Reise zum Mardi Gras Karneval in New Orleans, erleben die beiden Protagonisten verschiedene Eindrücke. So nehmen sie erst einen Hippie mit, der ihnen dann seine Kommune zeigt, später einen alkoholsüchtigen Anwalt der ihnen die Welt erklärt. 
Auf ihrem Weg begegnen die Locker Gechillten dann wie schwer sie es in der Gesellschaft eigentlich haben, weil sie Wert auf Freiheit legen. Alle reden nur von Freiheit, doch wenn diese von einzelnen Individuen ausgelebt wird, werden sie nicht nur blöd angemacht, sondern erfahren auch physische Penetration, welcher anscheinend keine humanen Grenzen gesetzt sind. 

Nachdem sie durch einen Deal zu schnellem Geld gekommen und zu reichen Männern geworden sind, wollen die zwei Biker erst mal Party auf einem Karneval machen und sich anschließend absetzen und die Freiheit genießen.
Allerdings macht ihnen das geliebte Amerika, bzw. dessen Einwohner einen Strich durch die Rechnung.
Weil sie machen was sie wollen und nicht als stupide Bildleser alles fressen, was die Gesellschaft ihnen vorsetzt, werden sie von Hotels als "uneincheckbar" gebrandmarkt, während Cops und Hillbillys sie zwangsamerikanisieren wollen.
Je weiter sie in die USA eindringen, je näher sie ihrem Ziel kommen, desto mehr merken Wyatt und Billy wie fehl sie am Platze sind. Ist ihr Traum überhaupt noch zu verwirklichen? Wie soll der auf sie gerichtete Redneck-Hass noch enden... ?
Das Ende des Filmes stellt ein Symbol für die Haltung augenscheinlich freiheitsliebender Menschen dar, die jedoch - ganz im Gegenteil - voreingenommen und eingesperrt in ihrer Kaste, jedes Individuum hassen, das kein Baumfäller-Hemd trägt.

Interpretation:
Wyatt Earp und Billy The Kid haben ihr Lebensziel verwirklicht: eine derbe Ladung Koks verkaufen um anschließend reich zu sein. Leider haben sie ihr Ziel so klein abgesteckt, dass sie keine Ahnung mehr haben, was danach zu tun ist. Also beschließen sie erst mal auf Mardi Gras dick feiern zu gehen und anschließend obdachlos zu werden.
Early Cheech & Chong auf der Suche
nach lebensbejahenden Cannabisingredienzen.
Auf dem Weg zum Festival lernen sie Aussenseiter der Gesellschaft kennen, freunden sich mit diesen an und merken wie schwer sie es eigentlich mit gesellschaftstreuen Bürgern haben. Dies bestärkt sie dabei lieber im Freien zu schlafen und Joints als Frühstück zu rauchen.
Eines Tages schlafen sie aber auf einem Feld, das dem regierenden Bauernchef gehört und werden dafür zur Rechenschaft gezogen. Von Knüppeln liebkost, flüchten sie dann aus dem besetzten Territorium und ziehen getreu der Nomaden Tradition weiter durch die Wüste.
Letztendlich treffen sie auf einer Landstrasse auf einen White Trash Pickup, dessen humaner Inhalt Billy The Kid zu einem Friseurtermin verhelfen will. Er aber lehnt ab, weil er der Barbiererei in freier Wildbahn höchst skeptisch gegenüber steht und muss sogleich bitter dafür bezahlen.
Diese uramerikanische Geschichte wartet mit einer Moral auf, die besagt, dass man immer ein geladene Waffe mit sich tragen und stets benutzen sollte, wenn einem der Sinn danach fehlt. So scheitern die Biker an ihrem Leben, weil die einzige Bewaffnung der Joint in der Hosentasche ist.


ANALYSE:

Landschaft:
Ganz genre-typisch fahren die Biker quer durch Amerika, hier von Westen nach Osten - quasi von link alternativ nach rechts konservativ. Immerzu gerade Highways, leere Strassen und Wind in den Haaren - dem Zuschauer wird die Freiheit sanft wie Sand in die Augen geweht.
Die Rider durchstreifen Wüstengebiete und kommen in verschiedene Staaten, was für den Hinterwäldler als exotischer Urlaub gilt. Dies spiegelt das Lebensgefühl der ersten Pioniere wider, die wahrscheinlich in den frühen Zeiten vor den unlockeren Indianern geflohen sind.
Die Sichtung dieses Streifens macht dem Zuschauer Lust auf mangelnde Körperhygiene, einen Rucksack voller Joints und das brummende Geräusch einer Harley.

Vehikel:
Die alten ausgedienten, umgebauten Polizei-Motorräder wurden extra für den Film customized und das noch vor Lebzeiten Xzibit's. Wyatt als Captain America fährt eine mit amerikanischer Flagge verzierte Maschine mit Rückenlehne für breite Stunden inklusive ausgedehntem Sekundenschlaf; Billy hat einen braunen Tankdeckel und seine Liegematte auf den metallischen Pferdearsch geschnürt. Ganz Harley Davidson, machen die Maschinen einen unglaublich brachialen Beschleunigungssound und geben ganz nebenbei eine klasse Optik ab.
Gerüchten zufolge, soll der finanziell angeschlagene Motorradproduzent durch den Film zu vielen Aufträgen und einem wirtschaftlichen Aufschwung gekommen sein - wer den Film gesehen hat, weiss warum.

Weggefährten:
Der erste Mitreisende ist ein Hippie, welcher die Biker in seine Kommune führt und dort 'versorgt'. Neben einem Einblick in das Leben der Blumenkinder, bekommen die Reisenden auch noch eine Ladung LSD mit, welche in geeignetem Moment eingenommen werden soll. Doch dazu später mehr.
Der nächste Gefährte ist ein ständig besoffener Anwalt. Jack Nickolson spielt diesen Mann, der aufgrund seines Amtes großen Einfluss auf die lokale Exekutive hat. So kann er die Biker aus einer misslichen Lage befreien. Er ahnt aber nicht, was er sich selber damit aufbürdet. Die Motorradfahrer zeigen ihm innerhalb kürzester Zeit, dass Alkohol nicht das einzige Vergnügen sein muss und wie ein Frühstücksjoint seine Lebenseinstellung verbessern kann. Dass das Zeug auch müde macht, hätten sie ihm ruhig sagen können. So würde er an einem der folgenden Abende nicht in zu tiefen Schlaf fallen und müsste die Reise nicht vorzeitig aufgrund von Kopfschmerzen beenden müssen.
Neben den zwei erwähnenswerten Charakteren, spielen Random Rednecks eine wichtige Rolle, aber über sie wurde oben schon ausreichend berichtet.

Musik:
Der Film bietet, für die damalige Zeit untypisch, Rockmusik, die nicht extra für den Film aufgenommen worden ist. So sind die Tracks häufig Klassiker und werden von Interpreten wie zum Beispiel Steppenwolf oder Jimmy Hendrix gespielt. Die Musik dürfte also vielen Schauwilligen bekannt sein. Der Score unterschtreicht insgesamt das Lebensgefühl der nicht gesetzeskonformen Biker und passt hervorragend zum Motorengeräusch der Vehikel, wie auch zu besagtem 'Frühstück' oder 'Abendmahl'.

Reisemotiv: 
Nachdem die zwei Radfahrer zu schnellem Geld gekommen sind, wollen sie erst mal auf das Karneval Festival in New Orleans und dort mächtig auf die Kacke hauen. Auf Mardi Gras angekommen, merken sie aber nicht, dass sie die einzigen Teilnehmer sind, welche sich auf motorisierten Gefährten fortbewegen. Zum Schutz der Bevölkerung werden sie dort aber von der GEMA vertrieben (Motormusik-Untermalung ohne Lizenz). Das Ziel war alles andere als unerreichbar, doch Wyatt und Billy haben nicht weiter in die Zukunft gedacht als bis zur großen Party. Nachdem diese für sie vorbei ist, reisen sie einfach so durchs Land. Umherstreunend auf den Strassen Amerikas, müssen sie aber feststellen, dass für sie kein Platz in der Gesellschaft ist. So finden sie ihr Ende auf einem Highway.

Sonderkategorie - Konsum:
In Easy Rider wird viel konsumiert. Deswegen lautet die spezielle Kategorie bei diesem Film Konsum. Neben den ständig qualmenden Joints die in unbeschränkter Anzahl in den Taschen der Biker nachwachsen, findet auch hochprozentiger Alkohol seinen Weg ganz easy in den Körper des Riders.
Die Abende unter freiem Himmel werden auf diese Weise um einiges lustiger.
Genauso wird das morgendliche Aufstehen zwar erträglicher aber nicht unbedingt schneller.
Doch das Sahnestück der Konsumerei stellt ein Psychedelikum aus der Hippie-Hochburg dar. Der erste Begleiter schenkt den Reisenden eine Portion LSD - für vier Personen. Dies wird dann an einem abgelegenen und sehr ruhigen Ort konsumiert. Das Setting wird an dieser Stelle zwar nicht direkt verraten, doch kann es wahrscheinlich keine angenehmere Kulisse geben, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, sich von der Umgebung einnehmen zu lassen und die positiven Vibes toter Menschen zu spüren.
In Summe ist der Konsum in diesem Film ein wichtiges Element und allgegenwärtig. Der Wunsch nach Freiheit, bezieht auch die Flucht aus der nüchternen und damit vielleicht langweiligen Wirklichkeit mit ein - vielleicht treibt der Zustand auch die Reise an. Doch obwohl so viel Zeug genommen wird, werden Drogen nur als ein Nebenbei dargestellt.



DIAGNOSE:

Der Film über ein bestimmtes Lebensgefühl im Sinne der Freiheit, wird zurecht als Klassiker bezeichnet.
Er gilt als Paradebeispiel für Road Movies, Product Placement, Jointbau-Architektur und für kreative Auswahl geeigneter Absteigen und Motorräder.
Wer Abenteuern nicht abgeneigt ist, aber nur zum CD-Wechsel von seiner Couch wegkommt oder an Agoraphobie leidet, könnte hier Ersatz für frische Luft finden und weite Ebenen finden.
Neben dem ungebundenen und freien Lebensstil der damaligen Zeit zeigt der Film auch eine kurzsichtige und intolerante Seite Amerikas.
Damit wird das Bild einer widersprüchlichen Gesellschaft gezeichnet, die zwar behauptet Werte wie Freiheit zu schätzen, sich aber tatsächlich von einer all zu öffentlichen Auslebung derselbigen bedroht und in die Ecke gedrängt fühlt.

Diese Filmperle wird klar empfohlen für Zuschauer jeglicher Kaste, Nation und Weltanschauung!
Also: DVD Player ölen, Laufwerk befüllen und ab dafür!

Mittwoch, 13. April 2011

Barb Wire (1996)

BARB WIRE  oder "SM in H&M"

Wenn in naher Zukunft alles scheisse wird, die Welt eher apokalyptisch aussieht und Thugs die Otto-Normal Bürger sind, könnte H&M beginnen Reizwäsche zu verkaufen! Damit sind die Probleme zwar nicht gelöst, aber alles schaut ein wenig geiler aus. David Hogan fiel der Comic Barb Wire in die Hände und er entschloss sich diesen zu verfilmen. Was daraus geworden ist, erfahrt ihr in den folgenden Absätzen.

ANALYSE:
In den USA herrscht Krieg: die Bürger hauen sich gegenseitig die Köpfe ein. Barbara Kopetski (Pamela Anderson) a.k.a Barb Wire, empfindet die Situation aber eigentlich recht angenehm und entscheided sich daher selbständig zu machen - mit einem Stripclub in dem sie selber die Hauptattraktion ist. Nebenbei bringt sie Menschen über den Jordan und steckt dafür ein paar Kröten für neues Lack weg. 
Die 'spezifisch talentierte' Schauspielerin
zeigt was sie kann...
Bei einem dieser Jobs mischt sie in schmutzigen Kreisen mit, wonach sich diese Kreise schließen und ein Menschenopfer verlangen. Die SM-Heldin wird sauer, weil ausgerechnet ihr Bruder dafür das Zeitliche segnen musste und will folglich Rache. 

Doch simultan kommt eine andere Frau daher und will etwas, das heutzutage mit einem Visum verglichen werden kann. Nun müssen zwei Dinge auf einmal erledigt werden. Das macht die ganze Geschichte so unglaublich kompliziert - wie in einem Softporno.
Am Ende gibts dann auch den Big Bang, allerdings ist dieser kein Orgasmus.
 PAMELA: Play-Bunny of the DD
In dieser Szene haben sich 10 Verweise
auf das Naziploitation-Genre versteckt.
Zwei davon sind sogar sehr leicht erkennbar!
Die Story in diesem Film ist recht bescheiden oder darf man sagen "nicht existent"? Ehrlich gesagt ist mir bei der ersten Sichtung nicht aufgefallen, dass es eine Handlung gibt. Ich glaubte mich in einer Lack & Leder-Modeschau zu befinden - nun nachdem ich die Geschichte kenne, weiss ich nicht, ob ich mich in einer lediglich Fetish-Show vielleicht wohler gefühlt hätte. Aber: wer nicht bewusst auf die Story achtet, wird keine abbekommen.

SEX und GEWALT in Silikon Valley
Nun zum Nudismus: der Film beginnt mit einem Strip. Gedämpftes Licht und dazu passende Musik. 
Der enge Anzug scheint nicht festgezurrt zu sein und der männliche Zuschauer erwartet das Unausweichliche - den Nipslip! Da kommt er dann auch, gefolgt von komplett blanken Titten. "Buah geil!" denkt sich der nicht informierte Zuschauer, der nur das Cover kennt und steckt die Hand schon mal in die Hose... doch dies macht wenig Sinn.

So vielversprechend das Intro auch sein mag, so ernüchternd sind die restlichen Minuten (und nochmal: ich rede hier nicht von der Handlung). Der maskumane Zuschauer sitzt gespannt da und wartet auf neue Einblicke, doch [SPOILER] diese bleiben ihm verwehrt [SPOILER-ENDE]

Zwar taucht Pam immer wieder mit neuen Mode-Schmankerln auf, doch ihre Nippel gehören Tommy Lee. So erquickend die modischen Experimente auch sein mögen, so ernüchternd ist das Ergebnis. Keine Horizontalakrobatik, keine weitere nackte Haut. Der Film spielt mit der Erwartung des notgeilen Maskumanen oder dem lesbischen Femanen. Der Wille nach neuem Lack lässt die madige Story nur so an einem vorbeiziehen und die Spieldauer ist vorbei, ehe der geneigte Zuschauer die saubere Hand aus der Hose zieht... Tja, was war das denn?
"Wir können auch, Anderson!
"
Ein Argument wär dieses hier:
Kein Film ist schlecht mit Udo Kier!



DIAGNOSE:
David Hogan's Film bietet eine Story die zwar Potential hätte, aber vom Regisseur nicht ausgeschöpft werden kann. Viel mehr liegt der Fokus auf der Fetish-Klamotte, dafür wird aber wenig nackte Haut gezeigt. 
Sicher verschafft die 'sexuell begabte' Protagonistin dem Film eine gewisse Fangemeinde bzw. einen Fame, unterm Strich kommt aber wenig dabei raus. Fünf Minuten nach der Sichtung sind sowohl Story als auch Kostüme vergessen (lädt dies zu einer Neusichtung ein?).

Dennoch: die Kleidung weiss zu begeistern und lässt ständig die Hoffnung auf 'Ablegen' aufkeimen. Dazu ist Pamela Anderson auch noch perfekt für die Darstellung des Charakters gewählt worden - trotz ihrer steifen Mimik und Brust. Daher an dieser
Stelle ganze zwei (2!) Trostpunkte für diesen Film
und damit gerade noch eine Wertung als Filmpression.

Dienstag, 12. April 2011

The Wild Hunt (2009)


The Wild Hunt (oder "MARP - Misogynic Action Role Playing")


LARP - Live Action Role Playing. Bei diesem Begriff schweben dem umwissenden Human Vorurteile und Bilder von Brillenträgern mit Plastikschwertern vor, die sich an Wochenenden im Wald versammeln und Elfenohren tragen. Allerdings kann dieses Spiel für manch einen auch Lebenserfüllung sein, ihm einen Rahmen bieten, in welchem er nie dagewesenen Enthusiasmus zeigt und bis zum Äußersten geht. Wozu dies führen kann, zeigt uns The Wild Hunt auf erschreckend realistische Art und Weise.

ANALYSE:

Alexander Franchi beginnt seinen Megafilm gleich mit einem kurzen Einblick in das Role Playing Leben... Kurz danach wacht Erik neben seiner Prinzessin Lyn auf, die ihm sagt dass sie auch schon wieder weg muss. Rollen spielen und Luft schnappen.
"Oh almighty Thor, tell me where
 to find the barber shop!"
Weil es in der Beziehung kriselt ist Erik ziemlich angespannt.

Nachdem seine holde Magd ihn nicht wie versprochen anruft, fährt er kurzerhand in das LARP-Land um nach ihr zu suchen. Dort angekommen merkt er, dass es den Geeks ernster ist, als es zuerst scheinen mag. Sie lassen ihn nur in Dekorum-Klamotte rumlaufen und haben ein ernsthaftes Problem damit, wenn der Besucher 'normal' spricht.

Gezwungen sich anzupassen, taucht Erik schneller in das Spiel als ihm Lieb ist. Weil er die 'Rettung seiner Freundin' aber über die Regeln der nerdigen Gemeinschaft stellt, bricht schon bald die Hölle auf Erden los - und das ist dann nicht gespielt.

So ernst die ersten drei Minuten noch wirken, so lustig ist die vierte. Ich kann hier nur mein Erlebnis, als Nichtsahnender im Kino zitieren. Weder Trailer noch Reviews durchgelesen saß ich in dem Film und erlebte einen coolen Comedy Streifen, der sich schön aufbaut, die Lustigkeiten des RPG aufzeigt und auf ein großes etwas gegen Ende der eineinhalb Stunden zuläuft. Dass alleine die letzten 15 Minuten The Wild Hunt als Horror-Thriller in mein Gehirn brennen sollten, zeugt von einer Intensität und Fähigkeit des Regisseurs.

Dieser Film ist einer der drei bisher von mir entdeckten Anti-Frauen Filmen. Neben Antichrist und Possession verliert auch der Wild Hunt Zuschauer die Lust daran, sich ein Weibchen zu halten.

"Odin, verrate mir, wer stopft mich heute?"
Unfähig ihre Gefühle auszudrücken und aufge- fressen von Selbsthass, der durch ständig neue dumme Aktionen nur weiter an- geschürt wird, werden die Frauen als böse und auf ihre Weise als dumm dargestellt.

Keine Kontrolle über sich selbst, null Selbstbewusst- sein, kein cooler Job - ein Scheissleben, dass nur dazu dient auf dem Macker abgeladen zu werden.
In allen drei Filmen gibt es aber diesen Idioten, der den hysterischen, wildgewordenen und in ihrer eigenen Welt lebenden Vaginesen den Hof machen will, trotz aller Widerstände.

Natürlich endet eine solche Liebe tragisch, aber das hat Mutter ja bestimmt schon prophezeit und der eigene Verstand sowieso. Dem Betrachter aber stellen sich verschiedene Fragen: ist ein solches Wesen tatsächlich begehrenswert? War früher alles besser? Wollen wir tatsächlich die Frauenquote in Beruf und Politik?

Sieht man nur einen solchen Film, bleiben die Fragen unbeantwortet... bis man dann den nächsten sieht.


DIAGNOSE:
The Wild Hunt beginnt lockerleicht und bringt durch lustige Situationen das LARP-Game an den Mann. Die Prinzessin in diesem Film ist sich ihrer selbst unsicher und bringt dadurch zwei Männer, bzw. deren Lager gegeneinander auf. Der Zuschauer wird in eine fremde konstruierte Welt förmlich hineingesogen um dort ein unglaublich schockierendes Ende zu sehen.
So simpel zwar die Story klingen mag, so unglaublich intensiv erlebt der Filmfreund den Wechsel der Stimmung in Camp Candy.

Wer glaubt Frauen seien immer gut und Rollenspiele nur was für Kinder, kann mit diesem Film eine Menge lernen. Absolute Empfehlung meinerseits!


Sonntag, 3. April 2011

Red, White and Blue (2010)

MEIN LEBEN IN ROSAROT...
DAS DER ANDEREN IN KOT...

Ach du heilige Scheisse! Es ist jetzt schon 3 Tage her seitdem ich dieses filmische Depressiva gesehen habe und immer noch spuken mir die Bilder im Kopf herum...
Das ist mal wieder etwas ganz "Großes"!
Leider ist es auch böse, verdammt böse!
Vergleichbar mit einem ungemein fiesen Gedanken, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und über den man mit niemanden sprechen kann..

ANALYSE:
Seit "REQUIEM FOR A DREAM"" hat mich kein Film mehr derartig fertig und betroffen gemacht wie Simon Rumley´s neuestes Glanzstück dessen grandioser
"THE LIVING AND THE DEAD" ja auch nicht gerade leicht verdauliche Kost war.
Natürlich geht es wieder einmal um den Menschen mit all seinen inneren Bestien...
Wie sagt man doch so schön:
"Der Mensch
ist dem Mensch ein Wolf...
Ein Mann sieht KOT:
Das Leben steckt manchmal voller Scheiße!

Die titelgebende Farbgebung steht plakativ und eindimensional betrachtet freilich für die Flaggfarben unserer allseits-beliebten Weltpolizei auf deren Kontinent sich auch das folgende Drama abspielen wird.
Genauer gesagt im Staate Texas wo sich
ultrachristlicher Fundamentalismus,
 
die brutale Lynchmob-Selbstjustiz 
und die Einsamkeit und Ödnis der Wüste, leise und zärtlich "Gute Nacht" sagen.

Einsam und öde sieht es auch in der Seele von Erica aus, die wir, begleitet von düster-dissonanten Klaviertönen, in den ersten Filmminuten kennenlernen...
Sie fröhnt einem Trieb, der vielen nicht unbekannt sein mag, aber verfolgt diesen mit uneingeschränkter Härte und ohne Rücksicht auf ihr eigenes "Wohlbefinden"...
Tagsüber spielt sie die Putzfrau in einer heruntergekommenen Mietshaussiedlung, in welcher sie, dank ihrer Anstellung, kostenfrei wohnen bzw "hausen" darf.
Nachts aber, flüchtet sie sich in die dunklen Zwischenwelten der texanischen Kneipenperipherie wo sie sich bedingungslos die Kante gibt um sich einen oder mehreren Kerlen an den Hals zu werfen damit diese sie ordentlich "durchficken" können...Faustregel hierbei ist:
Keine Emotionen, keine Liebe, keine nutzlosen Zärtlichkeiten...
Einfach nur schlichter von jeglichen Gefühlen isolierter hirnlos-harter-heartless Sex!
Bei der letzten Kopulationsinventur zählte sie 150 Akte, aber natürlich ist klar das die berühmte Dunkelziffer mal wieder weitaus höher liegt.
Egal wie heftig die Orgie auch sein mag...die liebe Erica ist psychisch schon gar nicht mehr anwesend, hat die Connection zwischen Herz Hirn und Körper schon lange gekappt. Warum dies so ist soll erst sehr viel später klar werden...
Alarmstufe KOT:
Manch armes Schwein lässt sich von all der Scheiße in den Wahnsinn treiben!

Irgendwann zieht Nate, eine Art "Charlie-Manson-Lookalike" in den Appartmentkomplex  ein, welcher selbst ein dickes selbstgeschnürtes Traumata-Päckchen mit sich trägt...im Grunde seines Herzens aber eine nette, aufrichtig-ehrliche Type ist.
Als er auf unsere "lonesome lady" und ihr selbstzerstörerisches Hobby aufmerksam wird, meint er es wirklich nur gut, und versucht als erster Vertreter der männlichen Gattung, zu Erica durch- anstatt einzudringen.
Boy meets Girl...but girl met too many boys.

DIAGNOSE:
Just in dem Moment in dem man fast glauben möchte das der fiese, nihilistische Grundtenor des Films von einem Hauch Zärtlichkeit gebrochen werden könnte, holt die gute alte Vergangenheit, in Form des One-Night-Stand-Rockers Frankie, sämtliche Personen mit ultrabrutaler Härte ein.
Denn dieser sucht schreckliche Antworten auf wirklich grausam unbequeme Fragen
welche nur Erica beantworten kann.
Der KOT steht ihm gut:
Ist die Wut erst angeschürt, lebt sich´s gänzlich ungeniert!

Nachdem sich der Film wirklich viel Zeit nimmt (...was den ein oder anderen Banausen wahrscheinlich zu lange dauern könnte...) seine Charaktere einzuführen und deren Gefühlsleben, so kaputt es auch sein mag, nachvollziehbar zu machen, zerstört er diese auch wieder...das zwar wesentlich schneller und heftiger dafür aber mit einer schwer zu ertragenden Intensität.

Wenn hier nach fast 90 Minuten musikalischer Stille,
die hysterisch-psychotische-Hasspiano-Score eines gewissen Richard Chester,
das 30 minütige finale Fiasko, einleitet wird mit der persönlichen Lebensfreude 
und der durchgekauten "Alles wird gut!" Mentalität, kurzer Prozess gemacht!
Manchmal reicht auch schon ein neuer Hair-KOT
um sich wieder wie neu zu fühlen!
Teuer aber auch gut: Entspannungsurlaub an der KÔT
Azur!
Für den schmalen Geldbeutel: In der DisKOThek einfach wieder mal die Sau rauslassen!

Und wenn der Abspann vorbei ist, hat man die Symbolik der titelgebenden Farben in aller tragischen Deutlichkeit vor Augen.
Wer sich von diesem Streifen erholen kann ist wirklich ein harter Hund und darf sich danach an der Empfangstheke den Trostpreis abholen:
Ein rezeptfreies Jahresabonnement fiesester Anti-Depressiva!
Viel "Glück"...you were warned!